Aktuelles aus dem Archiv

Außerordentliche Schließtage

Bitte beachten Sie folgende Schließtage:
Quelle: pixabay
  • Di./Mi., 19./20.02.2019
  • Mi., 14.03.2019
  • Fr., 22.03.2019
  • Fr., 31.05.2019 (Brückentag)
  • Fr., 21.06.2019 (Brückentag)
  • Fr., 4.10.2019 (Brückentag)

 Die Erreichbarkeit bleibt an diesen Tagen gewährleistet.

Fundstücke im Archiv: Gefallene des II. Weltkriegs

Marco Tänzer schrieb am 14.02.2019

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe

Bericht von Kurt Treu und einem ehemaligen Funker des Hauptquartiers Armee-Oberkommando 19. Zeitungsausschnitt über die Gedenkfeier am 31. März 1995 in Nassig. [LkA KA, 044. Eichel-Hofgarten, Nr. 15]

Beim Sichten und Erschließen der Archivunterlagen des Pfarrarchivs der evangelischen Kirchengemeinde Eichel-Hofgarten wurden Dokumente zutage gebracht, die detailliert über die Schrecken des II. Weltkriegs berichten.

Im Kampf um Nassig, ein Ort im Nordosten Badens, der seit dem 1. Januar 1972 Teil der Großen Kreisstadt Wertheim ist, sind am 30. und 31. März 1945 insgesamt 34 deutsche Soldaten in einem Feuergefecht mit der amerikanischen Artillerie gefallen. Eine kleine Kampfgruppe kam von einem Einsatz in Nassig und sollte bei Eichel mit einem Fischer-Schelch (ein größerer Kahn) über den Main setzen, als plötzlich die amerikanische Artillerie das Feuer auf die Gruppe eröffnete. Ein Bericht des Postoberinspektors K. Treu, der als Grenadier im 42. Inf.-Ersatz-Bataillon aus Ansbach eingesetzt war, gibt detaillierte Auskunft, welchen Verlauf dieser Kampfeinsatz nahm.

Zunächst sollte die Einheit in den Westerwald marschieren, um dort für Kampfhandlungen noch weiter ausgebildet zu werden. Ihre Ausrüstung wie Panzerfäuste, Maschinen- und Sturmgewehre wurden von Bauern mit Pferdegespannen transportiert. Es wurde überraschend gemeldet, dass Einheiten der Amerikaner bereits vorstießen. Die Kampfgruppe des Berichterstatters wurde dem Gelände außerhalb des Friedhofs zugeteilt. Die Soldaten gruben sich in Panzerdeckungslöcher ab und konnten mit Panzerfäusten zunächst zwei Panzerfahrzeuge abschießen und die amerikanische Einheit zu einem Rückzug bewegen. Daraufhin begann die Artillerie, Nassig zu beschießen und nach dem Ende des Beschusses mit Infanterie das Dorf anzugreifen. Der Angriff konnte erneut abgewehrt werden. Am nächsten Tag jedoch griffen die Amerikaner mit starkem Artilleriefeuer und Panzerunterstützung erneut an und die deutsche Kampfgruppe konnte dem nichts entgegensetzen. Wertheim wurde eingenommen und der Berichterstatter konnte sich mithilfe Zivilkleider bei den Amerikanern melden und entging der Kriegsgefangenschaft.

50 Jahre später, am 31. März 1995, spricht Georg Hatt als Veteran der 12. US-Panzer-Divison „Hellcats“ im Zuge der Gedenkfeier auf dem Nassiger Friedhof über die Versöhnung mit dem ehemaligen Feind: „Wir waren Feinde, weil unsere Regierungen sich im Krieg befanden, doch heute ist die Situation ganz anders: Wir sind Freunde und Verbündete.“ Des Weiteren rief Hatt dazu auf: „die Bemühungen unserer Nationen für Frieden und Freundschaft zu unterstützen.“

Nachlass der Pfarrerin und Frauenhistorikerin Hilde Bitz ist nutzbar

Sarah Banhardt schrieb am 12.02.2019

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Hilde Bitz als junge Religionslehrerin (1959) [Registratur, PA, Bd. I]
Hilde Bitz war keine gewöhnliche Pfarrerin. Von ihrem Lebens- und Berufsweg beeinflusst bezeugte sie einerseits die Genese des Berufes der Pfarrerin in der badischen Landeskirche, andererseits nahm sie aber auch bei dessen historischer Aufarbeitung eine entscheidende Rolle ein. Sie trug wie keine andere dazu bei, dass die Schicksale früher badischer Theologinnen nicht in Vergessenheit gerieten. Sie sammelte die Lebensgeschichten ihrer Vorgängerinnen und Amtskolleginnen und gab ihnen ihre Stimme.

1929 in Mannheim geboren, erlebte Hilde Bitz den 2. Weltkrieg als Schülerin und wurde nach einem schweren Bombenangriff im Zuge der Kinderlandverschickung nach St. Blasien gebracht. Nach Kriegsende konnte Hilde Bitz das Liselotte-Gymnasium in Mannheim besuchen und dort 1949 das Abitur ablegen. Geprägt durch ihren Religionsunterricht bei Dr. Doris Faulhaber hegte sie den Wunsch, Theologie zu studieren – in einer Zeit, in der das Pfarramt Frauen noch verwehrt war. Unterstützt und ermutigt durch Faulhaber, mit der sie eine mehr als vier Jahrzehnte überdauernde „Lebens-, Arbeits- und Wohngemeinschaft“ (Hilde Bitz an Irmtraud Bankes, 16.09.2008; Nr. 378) verbinden sollte, studierte Hilde Bitz von 1949 bis 1954 evangelische Theologie an der Universität Heidelberg. Nach dem Besuch des Praktisch-theologischen Seminars in Heidelberg trat sie 1955 ihre erste Stelle als Religionslehrerin in Mannheim an.

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Gottesdienst zum 40jährigen Jubiläum der Einführung von Hilde Bitz als erste gleichgestellte Pfarrerin der badischen Landeskirche, Paul-Gerhardt-Kirche Mannheim (18. Dez. 2011) [LkA KA, digit. Bildersammlg., o. Sign.]
Als die Landessynode nach zahlreichen Eingaben badischer Theologinnen 1971 endlich die Gleichstellung von Männern und Frauen im Pfarramt beschlossen hatte, bewarb sich Hilde Bitz als erste badische Theologin offiziell um eine Stelle als Gemeindepfarrerin. Vor ihr waren zwar Waltraud Sattler (1925-2012) und Ilse Hasenfratz-Frank (1931-2010) als Pfarrverwalterinnen in Kirchengemeinden in Heidelberg und Mannheim tätig, dies jedoch mit Ausnahmegenehmigungen. Am 19. Dezember 1971 wurde Hilde Bitz als Pfarrerin der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Mannheim eingeführt. Ihre letzten Dienstjahre verbrachte sie als Pfarrerin in der Klinikseelsorge in Mannheim.

Nach dem Tod von Doris Faulhaber (1991) begann Hilde Bitz mit ihrer kirchenhistorischen und frauengeschichtlichen Forschungstätigkeit. Sie verfasste u.a. für das „Lexikon früher evangelischer Theologinnen“ mehr als 45 Artikel. Zahlreiche Aufsätze erschienen im Jahrbuch für badische Kirchen- und Religionsgeschichte und in den ‚Lebensbildern aus der Evangelischen Kirche in Baden‘. Bitz steuerte Beiträge zu Festschriften bei und hielt regelmäßig Vorträge. Völlig zu Recht beschreibt sie Hans-Georg Ulrichs als „Nestrix der badischen kirchlichen Frauengeschichte“. 

Am 23. Juli 2017 verstarb Hilde Bitz im Alter von 87 Jahren in Mannheim. Am 1. August 2017 wurde sie auf dem Mannheimer Hauptfriedhof im gemeinsamen Grab mit Doris Faulhaber beigesetzt.

Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit machte Bitz immer wieder die Erfahrung, wie mühsam Informationen zuweilen zusammengetragen werden müssen. Und nicht selten erlebte sie, dass verlässliche Quellen nicht (mehr) zur Verfügung standen und begonnene Recherchen nicht zu Ende geführt werden konnten. Es war ihr ein Bedürfnis, die Ergebnisse ihrer Forschungstätigkeit nachfolgenden Generationen leicht zugänglich zu machen.

So bilden Rechercheunterlagen und Dokumente zur Geschichte der badischen Theologinnen Hauptbestandteile ihres Nachlasses. Aber nicht nur ihre eigenen Publikationen und Vortragsmanuskripte, sondern auch zahlreiche Arbeiten zur Theologinnengeschichte anderer Verfasser*innen, darunter einige unveröffentlichte Werke, sind überliefert. Neben der Theologinnengeschichte befasste sich Bitz mit der (Kirchen-)Geschichte des Nationalsozialismus.

Unterlagen zum Konvent evangelischer Theologinnen in der Bundesrepublik Deutschland und dem badischen Theologinnenkonvent zeugen von ihrem kirchenpolitischen Interesse und Engagement. Des Weiteren finden sich im Nachlass dienstliche Unterlagen, wie z.B. Material zum Weltgebetstag und zur ökumenischen Bibelwoche, Fotos und einige wenige Predigten. Umfangreich ist jedoch die erhaltene Korrespondenz. 

Der Nachlass von Hilde Bitz ist mit einem Onlinefindbuch recherchierbar und kann im Lesesaal des landeskirchlichen Archivs in Karlsruhe eingesehen werden.
 

Suche Frieden und jage ihm nach! Die diesjährige Jahreslosung ...

Vivian Ritter schrieb am 6.02.2019

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Predigt von Pfarrer Claus von Criegern zur Pflanzung der Friedenslinde am 15.10.1983 auf dem La-Roche-Platz Stockach [LkA KA, 044. Stockach, Nr. 88]
... mit ihrem Thema „Frieden finden“ stand schon immer für die Kirche im Vordergrund. So wählte der damalige Stockacher Pfarrer Claus von Criegern am 15.10.1983 diesen Text aus Ps. 34 für seine Ansprache anlässlich der Pflanzung der „Friedenslinde“. Dies war ein besonderes Zeichen des Friedens, da dieser Baum auf dem La-Roche-Platz gepflanzt wurde, dessen Namensgeberin die französische Partnerstadt, La Roche sur Foron, von Stockach ist.

Mitten in der Zeit des Wettrüstens und des kalten Krieges spricht Pfarrer v. Criegern von den Träumen der Menschen und der „großen Verheißung Gottes“ – Friede auf Erden. Aber auch davon, dass diesem Versprechen immer großes Leid und großer Schmerz vorangeht und welche Rolle gerade Politiker und deren Sachzwänge dabei spielen. Zum Schluss ruft er dazu auf, den Frieden zu leben: „Sind wir in Gottes Hand, dann wird uns für den Frieden nichts zu teuer; wir können für ihn alles auf uns nehmen.“
Der Blick in die Akten lässt uns über drei Jahrzehnte später ihren zuweilen zeitlosen Bezug deutlich werden.

Manuskript des Ortsfamilienbuches Wolfartsweier übergeben

Heinrich Löber schrieb am 18.01.2019

Quelle: Iris Riedlsperger
Iris Riedlsperger übergibt dem Landeskirchlichen Archiv ein Exemplar
Am heutigen Tage übergab Frau Iris  Riedlsperger eine gebundene Arbeitskopie des Ortsfamilienbuches Wolfartsweier 1692 - 1944. Sieben Jahre Arbeit des Autorenteams, zu dem auch Frau Sigrid Faigle-Kirchenbauer und Herrn Ulrich Kindler gehören, haben damit ihr vorläufiges Ende gefunden. 

Dieses Werk findet seinen Platz in der Präsenzbibliothek des Lesesaals und ist damit fortan einer breiten Leserschaft vor Augen und zugänglich. Berichtigungen und Ergänzungen können dem Autorenteam mitgeteilt werden, denn erst in einem weiteren Schritt ist es angedacht, dieses Manuskript in den Druck zu geben.

Über das Findmittel zu den Ortssippenbüchern in der Präsenzbibliothek unseres Archivs, das wir als PDF auf unsere Website gesetzt haben ist, ist der Bestand dieses Buches online recherchierbar.

Vom Umgang mit finanziellen Nachlässen

Sarah Banhardt schrieb am 15.01.2019

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Kondolenzschreiben an Frau Bitz (1991), in dessen Kuvert nach 27 Jahren 100 DM gefunden und ihrer Bestimmung zugeführt wurden [LkA KA, 150.113, Nr. 391]
Mehr als 27 Jahre ist es her, dass Pfarrerin Dr. Doris Faulhaber am 17. Juli 1991 in Mannheim verstarb. Zahlreiche Kondolenzbriefe erreichten in den darauf folgenden Wochen ihre langjährige Weggefährtin Pfarrerin Hilde Bitz und sind Teil ihres Nachlasses, der zur Zeit im Landeskirchlichen Archiv erschlossen wird.

Im Brief einer Verwandten Doris Faulhabers kam dabei ein kurioser Fund zum Vorschein: ein 100-DM-Schein. Da die Verfasserin nicht zur Beerdigung anreisen konnte, hatte sie Hilde Bitz gebeten, mit dem beigelegten Schein eine Blumenschale für das Grab zu besorgen. Diese sollte aufgestellt werden, sobald das Grab abgeräumt war. Es ist anzunehmen, dass dieser Wunsch in den Wochen nach der Beerdigung einfach unterging. Der 100-DM-Schein jedenfalls befand sich noch immer im Briefumschlag.

Quelle: Sabine Ningel, Mannheim
Die gemeinsame Grabstelle von Doris Faulhaber und Hilde Bitz auf dem Hauptfriedhof in Mannheim mit dem von dem gefundenen Geld gekauften Weihnachtsbäumchen (2018)
Nach dem Umtausch bei der Bundesbank konnte sein Zweck aber zu Weihnachten 2018 endlich erfüllt werden. Von dem Betrag wurde ein Weihnachtsbäumchen gekauft, das das inzwischen gemeinsame Grab von Doris Faulhaber und Hilde Bitz (+ 2017) zum Fest schmückte.

Die Evangelische Akademie Baden – neuer Bestand erschlossen

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 15.01.2019

Quelle: Evangelische Akademie Baden
„Gesellschaften brauchen immer Gelegenheiten und Orte des Austauschs und der Meinungsbildung, Orte des zivilisierten Ringens um Positionen und Werte“, schreibt Akademiedirektorin und Pfarrerin Arngard Uta Engelmann im Vorwort zum Veranstaltungsprogramm der Evangelischen Akademie Baden für das erste Halbjahr 2019. In Zeiten, in denen sich Austausch häufig auf drastische Kommentare in digitalen Chats und Foren beschränkt, ist das wichtiger denn je.

Die Arbeit der Evangelische Akademie Baden hat vor diesem Hintergrund eine besondere gesellschaftliche Relevanz. Seit ihrer Gründung im Juni 1947 hat sie sich auf die Fahnen geschrieben, solche Gelegenheiten und Orte zu schaffen, um den gesellschaftlichen Dialog zu fördern und aktiv mitzugestalten. Mittel zum Zweck sind Veranstaltungen aller Art, Tagungen, Seminare, Vorträge usw., die von den MitarbeiterInnen der Akademie organisiert und  durchgeführt werden. Welche Veranstaltungen das in der Vergangenheit gewesen sind, welche unterschiedliche Personenkreise teilgenommen haben und wie sich Themen und Schwerpunkte im Laufe der Zeit gewandelt haben, das alles lässt sich an dem neu erschlossenen Bestand [066.02] ablesen, der seit Kurzem im Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe zur Nutzung zur Verfügung steht. Er beleuchtet schlaglichtartig alle Phasen der Akademiearbeit in Baden seit der Gründung bis in die jüngere Vergangenheit. Das Findbuch zu Bestand 066.02 kann als PDF-Datei eingesehen werden. Der Bestand ergänzt die bereits vorhandene Überlieferung zur Badischen Akademiearbeit [066.01], für die eigens ein Bewertungskonzept entwickelt wurde, das archivfachlichen Anforderungen genügt. Die Unterlagen der Akademie sollen in Zukunft einheitlich nach diesem Konzept im Hinblick auf ihre Archivwürdigkeit bewertet und ggf. ins Archiv übernommen werden. Weitere Zuwächse des Akademie-Bestandes werden also folgen.

Team Nordbaden erhält Verstärkung

Anna Ohnmacht schrieb am 11.01.2019
Das Team Nordbaden des Projekts 'Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive' hat Verstärkung erfahren. Als dritte Kollegin dieses Teams ist das Projekt nun mit fünf Mitarbeitern voll besetzt:
 
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Man beachte die Zuckertüte am Fenster vom ersten Arbeitstag.
Nun aber wird die erste Akte erschlossen ...
Als Nachzüglerin im Team Nordbaden habe ich, Anna Ohnmacht, im Januar meinen Dienst beim EOK im Projekt Pfarrarchiverschließung angetreten. Nach meiner Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (kurz: FaMI) in der Fachrichtung Bibliothek habe ich in den letzten beiden Jahren in der Stadtbibliothek Rottenburg am Neckar gearbeitet. Dort durfte ich beim Aufbau einer ganz neuen Stadtbibliothek helfen - und auch jetzt zieht es mich wieder zu einem besonderen Projekt. Ich freue mich auf mein neues Arbeitsumfeld und bin mir sicher, dass ich hier interessante Arbeitsstunden verbringen werde und meinen (beruflichen) Horizont erweitern kann.
 
 
 

Wer kann helfen?

Heinrich Löber schrieb am 7.01.2019
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Großer Saal des Gebäudes von Arch. F. Eberhard [LkA KA, 154., o. S.]
Archivarinnen und Archivare wissen viel oder sind im Stande, sich die nötigen Informationen zu besorgen - sei es aus den Akten, aus Büchern oder Nachschlagewerken. Dennoch tritt immer mal wieder der Fall ein, dass auch ihnen Grenzen in der Wissensbeschaffung gesetzt sind. Wie in diesem Fall:
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Speisesaal des Gebäudes von Arch. F. Eberhardt [LkA KA, 154., o. S.]
 
Es handelt sich hierbei um archivierungswürdige Fotos aus einer Mappe von dem freien Architekten Friedrich Eberhard aus Freiburg, die das Kirchenbauamt vor etlichen Jahren dem Archiv übergeben hat. Alle darin enthaltenen Bilder
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Außenansicht des Gebäudes von Arch. F. Eberhard [LkA KA, 154., o. S.]
konnten zugeordnet werden - nur bei diesen drei Aufnahmen ist keine Zuordnung möglich. Es handelt sich bei dieser Mappe durchweg um kirchliche Gebäude im Großraum Freiburg, die in den Jahren von ca. 1975 bis 1990 geplant und erbaut wurden, so dass auch in diesem Fall von einem Gebäude / von Gebäuden aus dieser Region auszugehen ist.
Nun versuchen wir, über Ihre Mithilfe an die nötigen Informationen zu kommen. Wer kann helfen: Um welche(s) Gebäude handelt es sich?
 
Wir freuen uns über eine Kontaktaufnahme (T.: 0721/9175-795; Email: archiv[at]ekiba[dot]de)
 

Postkarten mit Motiven aus dem Landeskirchlichen Archiv

Heinrich Löber schrieb am 20.12.2018
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Kartenständer mit einer Auswahl der Postkarten
Postkartengrüße mit Bezug zu unserem Archiv?
Ab sofort ist das möglich! Neben USB-Sticks können im Lesesaal des Archivs auch Postkarten erworben werden. Ihre Motive speisen sich alle aus Akten des Landeskirchlichen Archivs, wobei das Kriterium der Auswahl natürlich darin bestand, möglichst ansehnliche, farbenfrohe und aussagekräftige Motive abzubilden.
 
Die erste Edition von zehn Postkarten besteht aus Abbildungen aus folgenden Beständen: 001., Generalakten; 044., Pfarrarchive Epfenbach und Gondelsheim; 045.01., Kirchenbücher (Deposita); 120.13., Mütterkurheime Baden-Baden und Hinterzarten; 156., Karten und Pläne; 158.05., KKW Wyhl (Sammlung Richter); 159., Plakate; 168., Urkunden.
 
Das Ergebnis kann sich sehen lassen! So könnte nun ein Aktenstudium eine Diversifikation erfahren - ein Grund mehr, ins Archiv zu kommen!
 
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Eines der Postkarten-Motive: Ein Plakat aus den 1960er Jahren mit der Provenienz 'Evang. Dorfhelferinnenwerk in Baden' (LkA KA, 159., Nr. 48)
Eine Postkarte kostet 1,00 EUR. Übrigens gibt es im Evangelischen Oberkirchenrat sogar einzelne Briefmarken zu kaufen.
 

Nachlass von Karl Dürr (1892-1976) neu erschlossen

Heinrich Löber schrieb am 18.12.2018
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Oberkirchenrat Karl Dürr im Dezember 1961 [LkA KA, 154., Nr. 36]
In seiner Funktion als Vorsitzender der "Kirchlich-Positiven Vereinigung" und als einer der vier badischen Teilnehmer der Bekenntnissynode in Barmen (1934) hat Karl Dürr die "Badische Bekenntnisgemeinschaft" ausgerufen und [...] zusammen mit den Pfarrern des badischen Bruderrats entschieden Widerstand gegen die Gleichschaltungsbestrebungen der "Deutschen Christen" in Baden geleistet (Christoph Lang).
Dürr kommt durch seinen Widerstand gegen das Kirchenregiment des nationalsozialistischen Staates eine herausragende Bedeutung zu und ist damit eine bedeutende Person der Kirchengeschichte jener Jahrzehnte.
Der vorliegende Nachlass ist mehr als dienstlicher als ein persönlicher Nachlass zu beschreiben. So liegt er hauptsächlich in Form von Handakten vor. Hermann Rückleben hat einen Großteil des Nachlasses in den 1980er Jahren für das landeskirchliche Projekt "Die Evangelische Landeskirche in Baden im 'Dritten Reich'" erschlossen und ihn dabei in seiner historischen Gestalt belassen, die mal chronologischer, mal thematischer Natur sind. Innerhalb dieser Akten wurde eine Einzelblattverzeichnung mit Dokumentnummern vorgenommen. Das erstellte maschinenschriftliche Findbuch hat keine Indizes erhalten, so dass dessen Nutzung nur mühsam möglich ist. Außerdem kamen im Laufe der Jahre weitere Nachlassakten hinzu. Das war der Anlass, diesen Nachlass neu zu erschließen und das neu erstellte Findbuch als PDF online zu veröffentlichen.
Dr. Tabea Mußgnug hat im Zeitraum März bis Mai 2018 1,6 der 1,8 lfm. neu verzeichnet, die alten Signaturen aber beibehalten und durch unerschlossene Nachlassteile insgesamt 50 Akten gebildet. Die verbliebenen 0,2 lfm. wurden nun nachverzeichnet (Nrn. 51-66).
Auf eine Klassifikation musste verzichtet werden, weil dieser (Dienst-)Nachlass größtenteils in seiner historischen Gestalt belassen wurde, die schlechterdings keine sinnvolle Systematik erlaubt. So ist der Bestand "nur" chronologisch recherchierbar.
Der Nachlass enthält v. a.: eine Dokumentation "Bekennende Kirche" (BK); Nachrichten aus dem Reich; Unterlagen der Kirchenausschüsse; Flugblätter zum Kirchenkampf; Rundbriefe der BK; Sonderdrucke, Zeitungen und Flugschriften aus der Nachkriegszeit; Unterlagen zu einer kirchlichen und theologischen Neubestimmung nach 1945; Lageberichte aus Freiburg 1945.
Für die Kirchengeschichte Badens im Dritten Reich und die Geschichte des Kirchenkampfes sind diese Unterlagen nun komplett und komfortabler recherchierbar. Eine Einsicht ist im Lesesaal unseres Archivs möglich.
 

Fundstücke im Archiv: Gesangunterricht in Grenzach im 19. Jahrhundert

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 11.12.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Abhandlung von Lehrer W. Fischer über die Methode zum Treffen der Töne im Gesangunterricht (Frage 3; Juli 1841) [LkA KA, 043. Lörrach, Nr. 62: Grenzach - Vorsängerdienst]

Das Phänomen dürfte bekannt sein: Unterlagen sammeln sich an, werden immer mal wieder von einer Ecke zur anderen geräumt. Ja, so etwas kann auch mal in einem Archiv vorkommen. Zum Glück ist das dort kein Dauerzustand, denn eine der Hauptaufgaben von Archivarinnen und Archivaren ist die Sicherung, Ordnung und Zugänglichmachung von archivwürdigen Unterlagen. Wenn sich der Archivar oder die Archivarin den unbearbeiteten Stapeln annimmt, kann es so manch schöne Überraschung geben. So geschehen im Fall von Unterlagen aus dem 19. Jahrhundert, die der Landeskirchenkasse zuzurechnen sind. Diese werden derzeit bearbeitet und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Beim Sichten und Ordnen der Unterlagen kam es zu einem Zufallsfund, der zum Schmunzeln einlädt. Inmitten von Unterlagen zum Kirchensteuerwesen und zur Rechnungsprüfung in den Kirchengemeinden fand sich ein Dokument mit dem schönen Betreff

Gehorsamste Beantwortung der Frage: Welche Methode im Gesangunterricht führt am schnellsten und sichersten zum Treffen der Töne?

Die Abhandlung umfasst fünfzehn dicht beschriebene Seiten, die von Schullehrer Wilhelm Fischer aus Grenzach im Juli 1841 verfasst wurde. Es lässt sich nur vermuten, in welchem Zusammenhang Lehrer Fischer den Text verfasste. So wurde er dem Dekanatsarchiv Lörrach zugeordnet.

Der fehlende Kontext mag für ArchivarInnen und HistorkerInnen Mangel und Ansporn zugleich sein, dem Inhalt des Textes tut das keinen Abbruch. Schullehrer Fischer jedenfalls gibt hilfreiche Tipps zur Stimmausbildung. Falls nun der eine oder die andere SängerIn neugierig geworden sind, der Text steht allen Interessierten im Landeskirchlichen Archiv zur Einsicht zur Verfügung. Singen und dabei die Töne treffen – gerade im Advent genau das richtige!

Als hätte eine Armada von Schutzengeln diesen Ort und die Region bewacht

Vivian Ritter schrieb am 3.12.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Programm für den Ökumenischen Dankgottesdienst am 21.07.2002 in Owingen anläßlich des Flugzeugabsturzes sowie Auszug aus der Predigt von Dekan i. R. Ehemann [LkA KA, 044. Owingen, Nr. 52]
In der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 2002 ereignete sich eines der schwersten Flugzeugunglücke der deutschen Luftfahrtgeschichte über Owingen und Überlingen. Eine Passagiermaschine kollidierte in der Luft mit einem Transportflugzeug. Trotz der über 70 Toten, darunter 49 Kinder, muss man von Glück sprechen, dass kein bewohntes Gebiet von Wrackteilen getroffen wurde.

So sahen das auch die Pfarrer in Owingen, die, neben einem spontanen Gottesdienst, einen ökumenischen Dankgottesdienst am 21.7.2002 in der katholischen Pfarrkirche in Owingen ausrichteten. Der Gottesdienstplan sowie die Predigt von Dekan i. R. und Vakanzpfarrer Gert Ehemann lassen sich in den Archivunterlagen der Gemeinde Owingen finden. Sie führen uns heute noch einmal das erlebte Grauen vor Augen.

Diese und weitere Unterlagen kamen im Rahmen des Projekts „Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive“ nach Karlsruhe, wo sie derzeit bearbeitet werden.

Es geht los! – Die Reise von Team Nordbaden nach Wertheim

Marco Tänzer und Natascha Wetzel schrieben am 30.11.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Archivpflege ist auch schwere körperliche Arbeit
Nach einer intensiven Planungsphase war es letzte Woche soweit: Team Nordbaden besuchte zusammen mit Archivpfleger Michael Hallerberg die ersten Pfarrarchive des Kirchenbezirks Wertheim. Die Fahrt führte das Team in die Pfarrgemeinden Bettingen-Urphar-Lindelbach, Dertingen-Kembach-Dietenhan, Eichel-Hofgarten, Wartberg und Bestenheid.

Eine der Hauptaufgaben war die Bewertung der Akten nach ihrer Überlieferungswürdigkeit. Während der Sichtung stießen die Projektmitarbeiter auf prägende Schwerpunktthemen der Kirchengemeinden, etwa im Bereich der Ökumene, interessante bis amüsante Korrespondenz, z.B. auf die Richtigstellung eines Zeitungsartikels aus der Zeit des Nationalsozialismus über den Ursprung des Weihnachtsfestes, auf ein reich ausgeschmücktes Schreiben über das dauerhafte Fernbleiben mehrerer Konfirmanden vom Unterricht sowie alte Überlieferungen zur Kirchengeschichte. Auch Fotos und Objekte – wie etwa ein Quartett des Kirchenbezirks Wertheim – fanden sich in Akten und Kartons.

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Quartett mit Gebäuden und Gegenständen des Kirchenbezirks Wertheim (um 1980)

Neben der Bewertung des Schriftguts prüfte das Team Nordbaden die Eignung der Pfarrarchive als Unterbringungsort für die Archivalien. Mithilfe eines Infrarotthermometers konnten Raumtemperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt innerhalb der Räumlichkeiten ermittelt werden.

Trotz vollem Zeitplan ergab sich die Möglichkeit zu einem Stadtrundgang durch Wertheim. Nach dem Durchschreiten eines mittelalterlichen Stadttores gelangte das Team in die Altstadt mit ihren historischen Gebäuden. Den Höhepunkt bildete die imposante Evangelische Stiftskirche. In der Nähe entdeckten die Mitarbeiter einen Gasthof, der darauf hinwies, dass Martin Luther dort bis zum heutigen Tag seine Zeche nicht beglichen hat.

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
In einem Pfarramt: Die Heilige Schrift im Regal - das Infrarotthermometer in der Hand

Am letzten Tag der Dienstfahrt lud das Team die in den Vortagen mit archivwürdigen Akten befüllten Umzugskartons in den Sprinter. Um einen Achsenbruch zu vermeiden, ermittelte das Team das Gewicht des Schriftguts, bevor es zum Auto transportiert wurde. Mit 19 Zentnern bepackt machten sich die Projektmitarbeiter auf die Rückreise. Nun steht der Erschließung Wertheims nichts mehr im Wege!
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Der Sprinter ist gepackt - 19 Zentner warten auf ihren Abtransport

Das Projekt 'Kirchenbuchportal' fährt in den Zielhafen ein ...

Heinrich Löber schrieb am 23.11.2018
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Ausschnitt aus der bunten Reihe der bislang fehlerhaft vorliegenden Dateien - nun an Archion geliefert.
... nachdem unser Archiv mit dem heutigen Tage 122 Dateien digitalisierter Kirchen- und Familienbücher an die Kirchenbuchportal GmbH geliefert hat. Es handelt sich dabei zum einen um jene 115 Dateien, die fehlerhaft vorlagen und als Digitalisat neu erstellt wurden, zum anderen um weitere Bücher, die in den letzten Monaten überhaupt erst eine Sicherungsverfilmung und Digitalisierung erfahren haben. Damit ist eine jahrelange und mühevolle Arbeit erfolgreich zu einem Abschluß gekommen!

Wir haben das Findmittel zu den verfilmten und digitalisierten Kirchen- und Familienbüchern unserer Landeskirche als PDF-Dokument auf unserer Website veröffentlicht. Mit dieser Übersicht können Sie sich einen Überblick über die komplette Kirchenbuchüberlieferung unserer Landeskirche sowie der verfilmten/digitalisierten Familienbücher verschaffen. Der interessierte Benutzer hat also die komfortable Wahl, den Komplettbestand im Kirchenbuchportal (bis 1876) gegen Gebühr zu recherchieren, oder - unverändert - in unserem Archiv Einsicht in die verfilmten Büchern zu nehmen (hier über das Schwellenjahr 1876 hinaus bis in die 1960er Jahre). Es ist übrigens auch in unserem Lesesaal eine Archion-Recherche (auch Bücher anderer Landeskirchen!) zu den üblichen Tages- und Reprogebühren (vgl. Gebührenordnung) möglich. D. h., Sie müssen sich dafür nicht zwangsläufig bei Archion registrieren, sondern können - wenn das für Sie reizvoll ist - innerhalb der Benutzerzeiten Archion nutzen. Dafür müssen Sie sich bei einer Anmeldung den sogenannten 'PC-Platz' reservieren lassen. Vor Ort stehen wir auch mit Rat und Tat zur Seite, wenngleich Sie die Recherche natürlich selbst durchführen müssen.

Bis Archion die heute gelieferten Bücher veröffentlicht, wird sicherlich noch geraume Zeit verstreichen. Die Kirchenbuchportal GmbH teilt täglich unter dem Button „News“ mit, welche Kirchenbücher online gestellt wurden, so dass man den Verlauf verfolgen kann.

Übrigens wurden weitere Bücher für eine Sicherungsverfilmung und Digitalisierung abgegeben, die als Sekundärquellen (Mennonitenregister, Familienbücher, Abschriften) den Bestand gehaltvoller machen, darunter:

  • Dossenheim (ref.) alphabetisches Familienbuch 1685 – 1829 mit voranstehenden Memorabilia 1941 – 1951
  • Dossenheim (ref.)  alphabetisches Familienbuch 1702 – 1952 mit Register
  • Ittlingen Mennoniten Mischbuch 1813 - 1850 mit Register
  • Lahr Familienbuch (1860) 1890 – 1906 mit Register
  • Lahr-Dinglingen (luth.) Familienbuch 1831 – 1898 (1938) (angelegt 1874 von Pfarrer Philipp Jakob Ludwig Daniel Wernigk) mit Register
  • Mietersheim Beerdigungen 1898 – 1978 mit Gefallenen II. Weltkrieg [teilw. masch.], Register
  • Offenburg (luth.) Taufen 1796 [Abschrift]
  • Offenburg Familienbuch (1835) 1852, 1857 mit Mischehen
  • Offenburg Familienbuch 1829 – 1889 (angelegt 1873 von Pfarrer Carl Bähr ) mit Register
  • Vörstetten (luth.) Familienbuch 1783 – Jan. 1821 mit Register
  • Vörstetten (luth.) Familienbuch (1782) 1821 - 1873 mit voranstehender Series pastorum 1588 – 1933, Register
  • Vörstetten Familienbuch 1874 - 1950 mit Register [zw. den Einträgen 1943]
  • Babstadt (luth.) Taufen 1654 – 1688 [fragm. Auszug aus dem Mischbuch Obergimpern]
  • Hertingen Trauungen 1860 – 1978 mit Jahresregister (1866-1869), Register
  • Hertingen Beerdigungen 1860 – 1978 mit Gefallenen I. u. II. WK, Jahresregister (1865–1869), Register

Ab jetzt wird auch digital archiviert!

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 8.11.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Auszug aus einer der archivierten Statistik-Tabellen (LkA KA, 08. Digitale Bestände, Ref. 1 Kirchliche Grundsatzplanung)
Im Landeskirchlichen Archiv wurden kürzlich die ersten digitalen Daten zur Archivierung übernommen. Es handelt sich um Excel-Tabellen, in denen zwischen 1997 und 2008 die Eckdaten kirchlichen Lebens in den einzelnen Kirchenbezirken Badens erfasst wurden. Der Vorteil, diese Daten in elektronischer Form zu übernehmen, besteht darin, dass sie so deutlich besser ausgewertet werden können als in Papierform.

Elektronische Daten dauerhaft aufzubewahren und zu gewährleisten, dass sie lesbar und benutzbar bleiben, ist aber gar nicht so einfach. Die meisten kennen das Problem: Teilweise können Dateien, die erst ein paar Jahre alt sind, schon nicht mehr geöffnet werden, wenn das Dateiformat veraltet ist. Diese entwickeln sich - ebenso wie die Soft- und Hardware - so rasch, dass man kaum Schritt halten kann. Vor diesem Hintergrund setzen die meisten Archive heute auf die so genannte Migrationsstrategie: Digitale Daten, die dauerhaft erhalten werden sollen, werden in ein möglichst langlebiges Dateiformat migriert. Die technologische Entwicklung muss beobachtet werden. Zeichnet sich ab, dass ein Format veraltet, werden die zu erhaltenden Dateien in ein aktuelleres migriert und immer so weiter. Auf diese Weise wird künftig auch mit den Statistik-Tabellen verfahren, die ab sofort als erster digitaler Bestand „Referat 1 - Kirchliche Grundsatzplanung“ im Landeskirchlichen Archiv zur Verfügung stehen.

Team Nordbaden

Marco Tänzer und Natascha Wetzel schrieben am 23.10.2018
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Frau Wetzel und Herr Tänzer zeigen Nordbaden auf der Karte der Landeskirche
Das Team Nordbaden des Projekts 'Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive' wird in den nächsten fünf Jahren die verbleibenden vierzehn nördlichen Kirchenbezirke unserer Landeskirche betreuen:
  • Wertheim
  • Adelsberg-Boxberg
  • Mosbach
  • Neckargemünd-Eberbach
  • Kraichgau
  • Ladenburg-Weinheim
  • Mannheim
  • Heidelbberg
  • Südliche Kurpfalz
  • Bretten-Bruchsal
  • Karlsruhe Land
  • Karlsruhe
  • Pforzheim Land
  • Pforzheim Stadt.

Es besteht aus zwei Mitarbeitenden:

Mein Name ist Marco Tänzer und ich bin 29 Jahre alt. Bereits früh hat mich die Faszination der Vergangenheit in den Bann geschlagen. Demnach ist es nicht verwunderlich, dass ich ein Studium der Geschichte und der Germanistik (Universität Stuttgart) aufnahm. Nach dem Masterabschluss im interdisziplinären Studiengang Wissenskulturen, welcher sich auf die drei Institute Geschichte, Literaturwissenschaft und der Philosophie stützt, hat mich mein Weg nun ins Archiv geführt. Besonders freue ich mich darauf, durch meine Mitarbeit am Projekt der 'Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive'' daran zu arbeiten, Vergangenes und Interessantes aus den unterschiedlichen Kirchengemeinden zu erschließen und der Forschung und interessierten Öffentlichkeit verfügbar zu machen.

Ich heiße Natascha Wetzel. Nach meinem Studium der Germanistik, Alten Geschichte und Philosophie in Heidelberg war ich ab 2014 im Generallandesarchiv Karlsruhe als Archivmitarbeiterin tätig. Im Zeitraum 2015-2018 absolvierte ich eine Ausbildung zur Archivarin für den gehobenen Archivdienst beim Landesarchiv Baden-Württemberg und freue mich nun, Teil dieses bisher einzigartigen und anspruchsvollen Projekts zu sein. Neben der Möglichkeit, die vielseitigen Tätigkeiten des Berufsbildes Archivar auszuüben, bin ich gespannt auf die Kontakte mit und die Begegnungen in den Pfarrarchiven.

Team Südbaden stellt sich vor

Vivian Ritter und Henning Naumann schrieben am 16.10.2018
Quelle: EKIBA
Der südliche Teil der Landeskirche von Karlsruhe bis zum Bodensee
Das Team Südbaden des Projekts 'Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive' wird in den nächsten fünf Jahren die zehn südlichen Kirchenbezirke unserer Landeskirche betreuen:
  • Baden-Baden und Rastatt
  • Ortenau
  • Emmendingen
  • Villingen
  • Freiburg
  • Breisgau-Hochschwarzwald
  • Markgräflerland
  • Hochrhein
  • Konstanz
  • Überlingen-Stockach.

Es besteht aus zwei Mitarbeitenden:

Quelle: Vivian Ritter privat
Das Team Süd wird durch mich, Vivian Ritter, ergänzt. Ursprünglich bin ich gelernte Buchhändlerin, jedoch habe ich  das Studium des Bibliotheks- und Informationsmanagements in diesem Jahr erfolgreich mit dem Abschluss  Bachelor of Arts beendet. Für das Projekt erhoffe ich mir, die nötige Unterstützung zu leisten und vielleicht den einen oder anderen historischen Schatz zu entdecken.

Quelle: Henning Naumann privat
Ich heiße Henning Naumann. Als Teil des Teams Süd freue ich mich, mich Ihnen kurz vorstellen zu dürfen. Ich bin gelernter Fachangestellter für Medien und Information Dienste in der Fachrichtung Archiv (FaMI). Im Rahmen des Projekts 'Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive' erhoffe ich mir Einblicke in die badische Kirchengeschichte und damit in die Gesellschaftsentwicklung unter dem Einfluss der evangelischen Kirche.

Die neuen Diensträume sind bezogen

Johanna Wohlgemuth schrieb am 11.10.2018

Ende letzter Woche ist das Team des Projekts 'Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive' in die eigens eingerichteten Räumlichkeiten der Paul-Gerhardt-Kirche eingezogen.

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Dieser Raum (Raum 1) gehört dem 'Team Südbaden'. Hier ist er noch unbezogen.
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Raum 2. Die drei noch unbezogenen Arbeitsplätze des 'Teams Nordbaden'.

Es wurden Materialien, persönliche Gegenstände, zu verzeichnende Akten und alles, was man sonst noch so braucht, in mehreren Fuhren vom Evangelischen Oberkirchenrat in die Paul-Gerhardt-Kirche nach Beiertheim gefahren und einsortiert. Dort sieht es nun so aus:

 

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Das 'Team Nordbaden' nun am PC ...
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
... und das 'Team Südbaden' auch.

Jetzt kann es also an die eigentliche Arbeit gehen! "Frische Ware" wird geliefert und bearbeitet:
 
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
"Frische Ware" wandert per 'dreiseitiger Stahlrollbox' in die Diensträume. Von der Empore aus sieht man den Altar der Paul-Gerhardt-Kirche.
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Regale wollen bestückt sein.
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Im Lagerraum im Erdgeschoss.

Es geht los! Neue Mitarbeitende nehmen ihre Arbeit auf

Johanna Wohlgemuth schrieb am 8.10.2018
Zum 01.10.2018 haben vier neue Mitarbeitende ihren Dienst aufgenommen. Sie sind für das landeskirchliche Projekt 'Sicherung und Bearbeitung der Pfarrarchive' eingestellt worden und werden dafür in den nächsten Jahren die Ansprechpartner und Umsetzer sein.

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Das Team auf dem Balkon der Paul-Gerhardt-Kirche: Vivian Ritter, Henning Naumann, Marco Tänzer und Natascha Wetzel

Hier sind sie auf dem Balkon der Evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche Karlsruhe-Beiertheim zu sehen, in deren Räumen sie derzeit ihre Dienstzimmer beziehen.

  

 

An dieser Stelle werden die neuen Mitarbeitenden in den folgenden Tagen vorgestellt.

Findbuch der Plakatsammlung veröffentlicht

Heinrich Löber schrieb am 13.09.2018
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Ausdruck einer Frömmigkeit aus dem Jahre 1976: Der Christ als Autofahrer - der Autofahrer als Christ ... [LkA KA, 159., Nr. 413]
Die im Spätsommer 2012 neu verzeichnete und mit einer Klassifizierung versehene Plakatsammlung wurde seitdem fortwährend nachverzeichnet. Es handelt sich dabei um Plakate, die von landeskirchlichen Einrichtungen an das Landeskirchliche Archiv abgegeben worden oder auf anderem Wege in das Archiv gelangt sind. Mit Stand von September 2018 sind 416 Plakate erschlossen, die eine Laufzeit von (1874, 1883) 1924 bis 2018 aufweisen. Anlaß genug, das Findbuch dieses sehr differenten Bestandes der interessierten Öffentlichkeit zugänglich und damit zielgerichtet nutzbar zu machen.
Der Klassifikation (= Inhaltsverzeichnis) kann man entnehmen, wie vielgestaltig diese Plakate thematisch sind. Entsprechend bunt ist die äußere Aufmachung derselben. Die Plakate selbst kann man aber "nur" im Rahmen eines Besuches unseres Archivs zu Gesicht bekommen.
Als Besonderheit sind die Konvolute aus dem Verlag Goldene Worte - Plakatmission, Stuttgart-Sillenbuch, hervorzuheben (1961-1976, 1991-1994). Die Plakatserie "Goldene Worte" erscheint seit 1912, seit einigen Jahren im Kreuz-Verlag, der zur Verlagsgruppe des Herder-Verlags gehört. Diese "Goldenen Worte" spiegeln eine eigene Frömmigkeit wider.

Standardisierungshilfe für Personalakten kirchlicher Angestellter in den Pfarrämtern überarbeitet

Heinrich Löber schrieb am 11.09.2018
Als wichtiges Hilfsmittel für die Aktenablage in den Pfarrämtern wurde die Standardisierungshilfe für Personalakten kirchlicher Angestellter komplett überarbeitet. Um sie für die Pfarrämter auch nutzbar zu machen, wurde diese Standardisierungshilfe auf unserer Website als PDF gestellt. Sie gliedert sich in zwei Teile: Standardisierungshilfe zu Personalakten kirchl. Angestellter in Pfarrämtern sowie Kassationsfristen bei Personalakten kirchl. Angestellter (Überblick nach Dokumenten).
Verbunden wird damit die Hoffnung, dass Fragen bei der Personalaktenablage durch die Kolleginnen in den Pfarrämtern selbständig und besser beantwortet werden können.
Bei Rückfragen können und sollen die Kolleginnen weiterhin an uns wenden.

Fast zwei Jahre Ärger mit dem Gemeinderechner in Ittlingen …

Johanna Wohlgemuth schrieb am 21.08.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
LkA KA, 044. Ittlingen, Nr. 22
Dieser klaute erst den Schaukasten vor der Kirche, indem er ihn gewaltsam abriss,

 dann verhöhnte er die Bestohlenen mit einem stattdessen aufgehängten Plakat „… suchet, so werdet ihr finden“ (das ihn im Übrigen nach einem ausführlichen Gutachten verraten hat),

dann leugnete er alles,

widersprach der folgenden Kündigung, zeigte Reue, versprach Besserung,

um schlussendlich eine zweite Chance zu erhalten

und wieder etwas vom Pfarrhof zu klauen (diesmal ein Fenster).

Neujahrsgrüße aus dem Feld

Michael Hallerberg schrieb am 15.08.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Der Feldpostbrief von Emil Lässle an Pfarrer Richard Krastel vom 7. Januar 1943 (LkA KA, 044. Lahr-Christus, Nr. 191)
Richard Krastel, der von 1922 bis 1950 Pfarrer an der Christuskirche in Lahr war, erhielt im Januar 1943 einen Feldpostbrief des Unteroffiziers Emil Lässle. Lässle, zu diesem Zeitpunkt in Amsterdam stationiert, bedankt sich in seinem Schreiben sehr herzlich für die Weihnachts- und Neujahrsgrüße, die ihn vom Evangelischen Volksverein in Lahr erreichten. Er richtet seinen Dank dafür sowohl an Pfarrer Krastel als auch an die Schriftführerin des Vereins. Ferner äußert er in seinem Schreiben den Wunsch, dass die Soldaten die kommende Weihnacht zu Hause bei ihren Familien verbringen mögen. Da der Zweite Weltkrieg von diesem Zeitpunkt an bekanntermaßen noch über zwei Jahre andauern sollte, ist sein Wunsch leider nicht in Erfüllung gegangen. Lässles weiteres Schicksal lässt sich aus den vorliegenden Unterlagen nicht rekonstruieren.

Dieser Feldpostbrief ist Teil der Überlieferung der ehemaligen Christusgemeinde in Lahr, die zwischen Mai und Juli 2018 im Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche in Baden archivarisch aufgearbeitet wurde. Der Bestand umfasst den Zeitraum von der Reformations-Jubelfestfeier in Lahr (29. Juni 1856) und der Stiftung der Kirchengemeinde durch den Lahrer Kaufmann Christian Wilhelm Jamm, der in seinem Testament Geldmittel für den Kirchenbau, deren Unterhalt sowie für die Finanzierung der Pfarrstelle vorgesehen hatte, bis zu dem Zeitpunkt, als die Kirchengemeinde in der neugegründeten Kreuzgemeinde Lahr aufging (2015). Besonders hervorzuheben ist die umfangreiche Dokumentation der Kirchenrenovierung in den Jahren 1997 und 1998 sowie eine Akte zur Wiederbeschaffung von Kirchenglocken. In beiden Weltkriegen musste die Christuskirche ihre Kirchenglocken für den Krieg zur Verfügung stellen und in beiden Situationen gelang es der Gemeinde, jeweils durch Spendensammlungen, für Ersatz zu sorgen.

Die Originalunterlagen sind mittlerweile wieder an das Pfarramt der Kreuzgemeinde übergeben worden. Ein Findbuch, das im Rahmen der Erschließung angefertigt wurde, kann auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs eingesehen werden. Damit ist der Bestand der ehemaligen Christusgemeinde in Lahr zukünftig bequem online recherchierbar.

Eine milde Gabe ...

Michael Hallerberg schrieb am 19.07.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Bauzeichnung der Südansicht der Waibstadter Kirche, abgenommen von der Ev. Kirchenbauinspektion in Heidelberg am 8. April 1910 (044. Waibstadt, Nr. 59) [links]; Glückwunschschreiben von Großherzogin Luise von Baden zur Kircheneinweihung in Waibstadt vom 7. Oktober 1910 (044. Waibstadt, Nr. 58) [rechts]

…erhielt die junge Kirchengemeinde in Waibstadt von der badischen Großherzogin Luise geschenkt, als im Jahr 1910 die Einweihung der eigenen Kirche gefeiert werden konnte. Es handelte sich um eine Altar- und Kanzelbekleidung, die extra für die Waibstadter Kirchengemeinde in der Kunststickereischule des Badischen Frauenvereins angefertigt worden war. Dies geht aus den Unterlagen der jüngst verzeichneten Pfarrarchive der Kirchengemeinden in Waibstadt und Daisbach hervor.

Die 1842 als Filiale der Kirchengemeinde Neckarbischofsheim gegründete Gemeinde hielt ihren ersten eigenen Gottesdienst im Jahr 1885 noch im Saal der örtlichen Schule ab. 1932 wurde Waibstadt zum Diasporaort und 1968 zur Filiale der Kirchengemeinde Daisbach. Dies ist insofern besonders, als dass Daisbach zu dieser Zeit lediglich ein eigenständiges Dorf, Waibstadt hingegen eine Stadt mit etwa fünfmal mehr Einwohnern war. Als sich 1971 die politischen Gemeinden beider Ortschaften vereinigten, wurde Daisbach dementsprechend zum Ortsteil von Waibstadt. Das evangelische Pfarramt für die beiden Orte befindet sich in Daisbach, aber jede Ortschaft besitzt bis heute einen eigenen Kirchengemeinderat. 1974 erfolgte die Umbenennung in den heutigen Namen.

Eine protestantische Gemeinde in Daisbach existierte seit der Zeit der Reformation. Der Lehnsherr Bernhard Göler von Ravensburg führte 1522 den evangelischen Glauben in lutherischer Ausprägung in seinen Besitztümern ein. Auch eine kleine reformierte Kirchengemeinde bildete sich in der Folgezeit in Daisbach, die im Zuge der Badischen Kirchenunion von 1821 mit der lutherischen Gemeinde vereinigt wurde.

Wie ihre Schwestergemeinde in Waibstadt erlebte auch die Kirchengemeinde in Daisbach in ihrer Geschichte diverse Um- und Neubauten sowie Renovierungen ihrer Gebäude. Eine besondere Aktion stellte dabei die Glockenbeschaffung nach dem Zweiten Weltkrieg dar. Zwei der drei Glocken, die seit 1937 im neuerrichteten Kirchturm den Daisbachern die Stündlein schlugen, wurden im Januar 1942 im Zuge der „Mobilisierung der Eisenreserven“ zu Kriegszwecken ausgebaut und eingeschmolzen. Seit Sommer 1946 bemühte sich die Kirchengemeinde darum, Ersatz zu beschaffen, was angesichts der chaotischen Umstände der Nachkriegszeit mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war. So musste die Kirchengemeinde neben der Finanzierung auch selbstständig das Rohmetall sowie weitere Hilfs- und Formstoffe für den Glockenguss, wie Bienenwachs, organisieren. Dass dies innerhalb von zwei Jahren gelang, ist eine bemerkenswerte Leistung. Im Sommer 1948 läuteten erstmals seit über sechs Jahren wieder drei Kirchenglocken in Daisbach.

Das Archiv der beiden Gemeinden ist in den vergangenen Monaten überarbeitet und verzeichnet worden. Die Glockenbeschaffung, die Gabe von Großherzogin Luise sowie weitere Details und Informationen aus der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinden Waibstadt und Daisbach sind damit nun bequem recherchierbar. Während die Originalakten mittlerweile wieder an das Pfarramt der Kirchengemeinde übergeben worden sind, lassen sich die Bestände mittels eines Onlinefindbuchs auf der Homepage des Landeskirchlichen Archivs zukünftig durchsuchen.

Findbuch Sammlungsbestand 'Handschriften und Manuskripte' veröffentlicht

Heinrich Löber schrieb am 6.07.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Einträge des Tagebuchs vom Apr./Mai 1870 von Stadtmissionar Wilhelm Friedrich Glünkin [LkA KA, 151., Nr. 30]
Die Übergabe eines Tagebuchs von dem Stadtmissionar Wilhelm Friedrich Glünkin (1834-1899) durch dessen Urenkelin war der Auslöser, das Findbuch des kleinen, aber sehr gehaltvollen Sammlungsbestandes 151. 'Handschriften und Manuskripte' online zu stellen.

Diese Sammlung enthält zumeist in Buchform vorliegende handschriftliche Aufzeichnungen, die ohne Zusammenhang überliefert sind. Dadurch besteht sie hauptsächlich aus Einzelstücken. Der Bestand enthält derzeit 30 Akten mit einer Laufzeit von 1741 bis 1969 und einem Umfang von 0,5 lfm.

Neben Mitschriften von Vorlesungen und Seminaren, Vorträgen und Reden, von Gemeindeveranstaltungen und Konfirmandenunterricht sind Manuskripte von Werken, Vorträgen und Reden; Entwürfe; Abschriften; Gebets- und Sprüchesammlungen; Korrespondenzen sowie Tagebücher in dieser Sammlung überliefert. Predigten bilden einen eigenen Sammlungsbestand (152.). Die Provenienz bzw. Zeitpunkt der Übernahme und Übergeber sind - soweit bekannt - genannt.

Stadtmissionar Glünkin sinniert hier über einen nächtlichen Traum, der ihn am nächsten Tag (30. April 1870) in Karlsruhe beschäftigt und bei ihm Zweifel aufkommen lässt, ob er sich bei seiner Brautsuche auf dem richtigen Wege befindet. Er legt sie auch in Gottes Hand: so möge er mir eine von Herzen Gläubige, die etwas mehr als gewöhnliche Bildung besitze, edler Natur + Gemüthsart sei, dabei innerlich + äußerlich reinlich + keusch, gewand im Haus + im Verkehr mit den Leuten angenehm; die etwas Vermögenn habe, für mich das rechte Alter + und auch körperlich wohl gebaut + gewachsen sei, + in der rechten Menschen + und Gottesliebe stehe. Der Eintrag endet mit einem Gebetsruf Wenn ich, o Herr, nach deinem Willen heirathen soll, so schenke mir eine mit diesen Eigenschaften ausgerüstete Person. Ob dieses Gebet des Stadtmissionars Glünkin erhört wurde?
 
Das Findbuch zu diesem Bestand steht nun allen Interessierten zur Einsicht auf unserer Homepage als PDF zur Verfügung und macht diesen bequemer recherchierbar. Die Akten selbst müssten allerdings im Lesesaal eingesehen werden.

Tackern ohne Metallklammern – ein umwelt- und ressourcenschonendes Werkzeug

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 3.07.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Verrostete Büroklammer in einem Schriftstück
Haben Sie schon mal Heftklammern aus Dokumenten entfernt? Vielleicht vor dem Schreddern der Akten im Aktenvernichter? Ja? Dann wissen Sie bestimmt, wie furchtbar lästig das ist. Zwar gibt es Enthefter als Hilfsmittel, dennoch hat man sich schnell die Haut am Metall aufgeritzt oder einen Fingernagel abgebrochen.

Sie haben das noch nie gemacht? Dann probieren Sie es doch mal aus, macht keinen Spaß!

Die wenigsten von Ihnen werden sich Gedanken über Heftklammern machen. Für Archivarinnen und Archivare ist das jedoch ein Thema aus dem Arbeitsalltag. Die Metallklammern im Papier fangen teilweise sehr schnell an zu rosten, viele Unterlagen werden auf diese Weise schon nach kurzer Zeit beschädigt. Im Archiv sollen Dokumente jedoch möglichst dauerhaft vor Schaden bewahrt und erhalten werden. Daher ist eine – unbeliebte –  Aufgabe im Archiv das Entmetallisieren. In mühevoller Handarbeit werden aus allen Unterlagen, die für archivwürdig befunden wurden, Tacker- und Büroklammern entfernt.
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Papierschlaufe des metallfreien Tackers
Doch Tackern mit Metallklammern ist kein Muss: Inzwischen gibt es eine praktische Alternative, die ohne Metallklammern auskommt. Solche Tacker stanzen eine Lasche ins Papier, mit der die Seiten zusammengehalten werden. Bis zu zehn Seiten lassen sich auf diese Weise zusammenfügen. Die klammerlosen Tacker gibt es in verschiedenen Designs und Varianten im normalen Bürobedarf oder im Internet – und das schon für kleines Geld. Darüber freuen sich nicht nur Archivarinnen und Archivare. Denn nur ein kleiner Teil von Unterlagen gelangt letztlich ins Archiv. Nein, entscheidend ist, dass damit insgesamt viel weniger Metall ins Altpapier gelangt, das im Recyclingverfahren mühsam und aufwändig aussortiert werden muss. Die Umweltbilanz des Altpapiers kann so verbessert werden. Anschaffen lohnt sich also!

Nachlass des Religionslehrers und Pfarrdiakons Eugen Müller (1927-2006) übernommen

Heinrich Löber schrieb am 19.06.2018
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Eine von fünf Kisten des Nachlasses Eugen Müller
In  der letzten Woche wurde dem Landeskirchlichen Archiv der Nachlass des Religionslehrers und Pfarrdiakons Eugen Müller (1927-2006) übergeben.
Nach Reichsarbeitsdienst (1944/45) und Kriegsgefangenschaft absolvierte Eugen Müller zunächst eine Elektroinstallationslehre, bevor er 1949/50 Aspirant der Diakonenanstalt Karlshöhe Ludwigsburg wurde und 1950-1953 eine Ausbildung zum Gemeindehelfer und Katechet ebenda machte. 1953/54 arbeitete Müller als Jugendwart im Kirchenbezirk Rheinbischofsheim und war ab 1954 Religionslehrer in Kehl. 1970 begann er als Pfarrdiakon seinen Dienst in der Gemeinde Kehl-Sundheim und schließlich seit 1971 als Verwalter der Johannespfarrei Kehl. Zum 1. Januar 1990 ging er in den Ruhestand.
Der dienstliche Nachlass enthält in der Hauptsache Predigten (chronologisch, auch nach Kirchenjahr), aber auch Texte (Gottesdienstabläufe, Gebete, Liturgien, Betrachtungen), Kasualansprachen, Materialien zur Gemeindearbeit (Krippenspiele, Bildbetrachtungen, Familiengottesdienste, Sprechmotetten, biblische Spiele, Bibliodramen usf.). Des Weiteren sind Ausbildungsunterlagen, Prüfungsarbeiten, -predigten und -katechesen unter den Unterlagen.
Eugen Müllers Nachlass reiht sich ein in nun insgesamt 114 Nachlässe von Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens unserer Landeskirche in unserem Archiv. Allerdings ist er der einzige Nachlass eines als Pfarrdiakons eingesetzten Theologen. Damit schließt er eine Lücke, weil er beispielhaft aufzeigt, wie ab den 1970er Jahren eingesetzte Pfarrdiakone theologisch und gemeindlich gearbeitet haben.
Mit 1,2 lfm. ist der Nachlass sehr umfangreich; die Laufzeit umfasst die Jahre 1952 bis 1998. Er wird hoffentlich zeitnah erschlossen werden können, um ihn besser recherchierbar zu machen. Einsehbar ist er allerdings schon jetzt. Den Nachweis, ein Biogramm und eine Bestandsbeschreibung finden sich in der Nachlassdatenbank des Bundesarchivs.

Aus dem Pfarrarchiv Weiler (Villingen)

Johanna Wohlgemuth schrieb am 6.06.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
"Altes Rindvieh! Charakterisiert sich selbst mit diesem Brief." Bemerkung von Pfarrer Karl Zipperer unter einem Schreiben (LkA KA, 044., Weiler (Villingen), Nr. 25)
"Altes Rindvieh!". Mit diesen deutlichen Worten kommentierte Pfarrer Karl Zipperer (1870-1936) in Weiler (Villingen) 1905 einen Brief des Hauptlehrers Zimmermann, in welchem der Verfasser droht, gegen eine angebliche Verleumdung seiner Frau während einer Predigt des Pfarrers vorzugehen.

Was Pfarrer Zipperer genau gesagt haben soll oder ob es zu einer Anzeige kam, ist leider nicht mehr nachvollziehbar.

Deutlich ist aber, dass das Verhältnis zwischen den beiden Männern bereits vorher äußerst angespannt war und Pfarrer Zipperer auch und vor allem von Zimmermanns Ehefrau sehr wenig hielt.

Schon einen Monat zuvor schrieb der Pfarrer einen Brief an das Großherzogliche Kreisschulamt und bat um Versetzung des Hauptlehrers. Dieser sei „unfähig“ und besitze „weder bei den Schülern noch bei der Bevölkerung das nötige Ansehen, um irgendwelchen erzieherischen Einfluss ausüben zu können“.

Der Grund dafür? Ganz klar Zimmermanns Verhalten in der Öffentlichkeit, wo sein Aufzug und seine „den ganzen Lehrerstand blamierenden Absonderlichkeiten“ notwendigerweise „zum Lachen reizen“.

Besonders verantwortlich dafür macht Pfarrer Zipperer den Einfluss der Ehefrau Zimmermanns, „die eben alles andere ist, nur keine Hausfrau“. Sie vernachlässige die Kinder und treibe sich währenddessen mit anderen Abtrünnigen stundenlang schwätzend auf der Straße herum.

Pfarrer Zipperer hatte übrigens Erfolg, der Hauptlehrer Zimmermann verlor acht Monate später seine Stelle und wurde nach Linkenheim versetzt.
 
Weitere (Ortskirchen-)Geschichten lassen sich bald zielgerichtet bergen. Das Pfarrchiv Weiler wird derzeit erschlossen und mit einem Findbuch nutzbar gemacht. Das Findbuch wird als PDF auf unserer Website veröffentlicht. Schauen Sie nach, auch welche Pfarrarchiv-Findbücher bereits recherchierbar sind.

Neue Quellen zur Geschichte der badischen Kirchengemeinden jetzt recherchierbar: Das überarbeitete Findbuch der Spezialakten ist online

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 9.03.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
So bunt und vielfältig wie die Geschichte: Die Spezialakten des Evangelischen Oberkirchenrats Karlsruhe (SpA)
Die Spezialakten des Evangelischen Oberkirchenrats (Spezialia) sind eine hervorragende Fundgrube für alle, die sich mit der Geschichte der einzelnen Kirchengemeinden in Baden beschäftigen möchten. Sie enthalten Dokumente zu den einzelnen Pfarr- und Kirchengemeinden und sind damit Quellen für die lokale Kirchen- und Ortsgeschichte. Inhaltliche Schwerpunkte liegen auf der Gründung und Organisation der Pfarreien, der Pfarrstellen und deren Inhabern, den Besitz- und Vermögensverhältnissen sowie kirchlichen Gebäuden.

Der Archivbestand der Spezialakten wurde im letzten Jahr erweitert, als ein großes Spezialia-Zwischenarchiv aufgelöst und zum großen Teil archiviert wurde. Der Bestand ist nunmehr auf über 28.000 Verzeichnungseinheiten angewachsen und umfasst knapp 430 laufende Regalmeter. Das Findbuch wurde komplett überarbeitet und steht nun allen Interessierten zur Einsicht und Recherche als PDF auf unserer Homepage zur Verfügung. Mehr als 4400 Seiten vermitteln den Zugang zur Geschichte von den historisch knapp 1000 Pfarr- und Kirchengemeinden.

Import weiterer badischer Kirchen- und Familienbücher bei Archion

Heinrich Löber schrieb am 26.02.2018
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Diese beiden Bücher bilden den Anfang der Veröffentlichung hunderter Digitalisate
Mit dem gestrigen Tage begann - früher als geplant - die Onlinestellung weiterer Kirchen- und Familienbücher unserer Landeskirche durch die Kirchenbuchportal GmbH. Es handelt sich dabei um die 944 Bücher, die Ende 2017 an Archion geliefert wurden und nun sukzessive eingestellt werden. Damit wird der Gesamtbestand der Kirchenbücher unserer Landeskirche (bis Febr. 1870 - in Einzelfällen auch darüber hinaus) online recherchierbar sein.
Darunter sind nun auch zahllose Familienbücher, die im Laufe der letzten zwei Jahre verfilmt und digitalisiert wurden.
Über das als PDF online gestellte Findmittel kann sich der interessierte Nutzer eine Übersicht über die Überlieferung verschaffen: Bis zur Filmnummer 1341 wurden alle Kirchen- und Familienbücher an Archion geliefert. Eine Ausnahme bilden 137 Bücher (dort nicht markiert), die fehlerhaft vorliegen und als Digitalisat derzeit neu erstellt werden, sowie die Bücher, die momentan verfilmt / digitalisiert werden (markiert mit Derzeit zur Verfilmung/Digitalisierung abgegeben).
Hat das Folgen für die Benutzung in unserem Archiv? Es besteht unverändert die Möglichkeit, zu den Benutzerzeiten Einsicht in die verfilmten Bücher zu nehmen, hier auch über das Schwellenjahr 1870 hinaus.

Aber auch die Online-Recherche in Kirchenbüchern anderer Landeskirchen ist in unserem Lesesaal möglich, weil wir die Einsicht in das Kirchenbuchportal zu den üblichen Tages- und Reprogebühren anbieten! D. h., Sie müssen sich dafür nicht bei Archion registrieren und ein Ticket erwerben, sondern sich bei einer Anmeldung nur den sogenannten 'PC-Platz' reservieren lassen.

'Schätze ausgegraben' - SWR-Beiträg zum Projekt Pfarrarchiverschließung

Johanna Wohlgemuth schrieb am 23.02.2018
Für ein Interview mit dem SWR zum Projekt 'Pfarrarchiverschließung' wurden zahlreiche Akten aus Pfarrarchiven rund um Karlsruhe gesichtet und interessante Begebenheiten zu Tage gebracht:
 
„Was kann dieses Fräulein […] diesem Juden […] für wertvolles Material liefern, der es vielleicht dann ins Ausland verschickt als Hetzmaterial […] wir blamieren uns ja jämmerlich“ (1935)

Dieses „Fräulein“, das war die Gemeindediakonin der Gottesauerpfarrei 1933-1935. Sie war angeblich Mitglied der SPD und hatte – was viel brisanter war – ganz öffentlich mit einem ehemaligen Rechtsanwalt jüdischen Glaubens zu tun. Nachdem die Forderung nach ihrer Entlassung nichts nach sich zog, wurde sie schließlich wegen Rassenschande angezeigt. Die Gemeindediakonin und Pfarramtskandidatin nahm die Bedrohung aber rechtzeitig wahr und floh 1935 in die Schweiz. Sie entkam damit noch rechtzeitig einem geplanten Verhör durch die Badische Geheime Staatspolizei und tat damit den richtigen Schritt, auch wenn sich dadurch der Verdacht von offizieller Seite aus „erhärtet“ hatte. (LkA KA, 044., Karlsruhe Gottesauerpfarrei, Nr. 24)

„Egal, wenn nur der Krieg zu Ende geht“ (1916)

Mit diesem Satz endet die Kriegschronik des Pfarrers Wilhelm Brauns im Dezember 1916. 93 eng beschriebene Seiten fassen wochenweise den Ersten Weltkrieg und die Erlebnisse des Pfarrers auf den Schlachtfeldern zusammen. Dazu sammelte der Schreiber zahlreiche Postkarten, Zeitungsartikel und eigene Aufnahmen von Schützengräben und Soldaten. (LkA KA, 044., Michelfeld, Nr. 363)

„Wenn die Mädchen draußen blieben, würden sie noch viel mehr Unheil anstellen und die Menschheit noch mehr verseuchen“ (1932)

So das Urteil des Mädchenheims Bretten zur Bedeutung ihrer Zwangs- bzw. Heimerziehung, nachdem eine ledige Mutter, die durch das Heim in eine Arbeitsstelle vermittelt war, im Oktober 1934 in die bayerische Landeshauptstadt entfloh. Die Begründung für ihr Verhalten? Das Mädchen sei „unbeschreiblich einfältig und [habe] […] eine Affenliebe zu dem Kind, aus der all ihre Fehler stammen.“ (a.a.O., Nr. 193)

Ein Pfarrer setzt sich ein (1953)

Wegen „groben Unfugs“ verurteilte ein Gericht fünf Jugendliche 1953 zu jeweils 12,50 DM Strafe. Die Jungs hatten einen Fahrzeughalter darauf hingewiesen, dass sein Wagen in der Kircheneinfahrt stehe. Als dieser sich weigerte, den Pkw umzuparken, hoben die Jugendlichen den Wagen kurzerhand an und stellten ihn quer. Die Einfahrt war wieder frei, der Fahrzeughalter sauer. Der Pfarrer, der sich kurz vor der Tat und schon viele Male im Beisein der Jugendlichen über den Wiederholungstäter beschwert hatte, sah die Schuld bei sich und bat um Straferlass oder Abmilderung. Mit Erfolg: statt 12,50 DM mussten die Jungs „nur“ 10 DM zahlen. (LkA KA, 044., Karlsruhe Gottesauerpfarrei, Nr. 86) 

Beziehungsdrama Ost-West (1979)

Ein Pfarrer aus Karlsruhe brach 1979 die langjährige Patenbeziehung zum Ort Lindenberg (DDR) ab, da der dortige Pfarrer sich von seiner Frau getrennt hatte. Dass aber sie diejenige war, die ihren Mann heimlich verlassen hatte und zwar mit einem gewissen „Hermann“, mit dem sie schon viele Jahre lang eine Affäre gehabt hatte, besänftigte den Karlsruher Pfarrer nicht.

Sicherlich ein herber Schlag für den Lindenberger Pfarrer, für dessen Vorgänger schon 1954 klar war: „Lieber als Hausdiener oder Arbeiter dort [BRD], als als Pfarrer hier [DDR]. Warum soll man die Wahrheit nicht schreiben.“ (a.a.O., Nr. 93)

In einem SWR-Rundfunk-Interview wird das in den Startlöchern stehende Projekt 'Pfarrarchiverschließung' vorgestellt und dabei Bezug auf diese Funde genommen. Na, neugierig geworden?

Über den Start des Projektes informieren wir an dieser Stelle.

'Bürgerrechte' und Demokratie' - Tag der Archive im Stadtarchiv Karlsruhe

Heinrich Löber schrieb am 23.02.2018
Aller zwei Jahre findet der Tag der Archive statt - in diesem Jahr ist es wieder soweit. In Karlsruhe ist es wiederum das Stadtarchiv, das aus diesem Anlaß am 3.03.2018 von 11 bis 15 Uhr seine Pforten öffnet.

Der Tag der Archive steht unter dem Motto 'Bürger­rechte und Demokra­tie'.
Im Rahmen von vier Führungen durch sonst für die Öffent­lich­keit ­nicht zugäng­li­che Magazine werden Archi­va­lien zu verschie­de­nen A­spek­ten von Bürger­rech­ten und Demokratie gezeigt. Themen sind die frühen Stadt­rechte Karlsruhes, Stadt­ratspro­to­kolle, die Ent­wick­lung der Rechte der jüdischen Bevöl­ke­rung und die Orte der Demokra­tie­ge­schichte in Karlsruhe. Außerdem besteht zweimal ­die Gelegen­heit, an einer Führung in der Ausstel­lung "Vor 50 Jahren - mit Horst Schlesiger durch das Jahr 1968" teilzu­neh­men, die um 11 Uhr von Bürger­meis­ter Dr. Albert Käuflein eröff­net wird:


Im Lesesaal werden zudem durch­ge­hend die vielfäl­ti­gen digita­len ­An­ge­bote des Stadt­ar­chivs vorge­stellt und im Vorgriff auf die nächste große Ausstel­lung "Bewegt euch! - 1968 und die Folgen in Karls­ru­he" im Stadt­mu­seum verschie­dene Exponate dieser Aus­stel­lung präsen­tiert. Außerdem findet ein Bücher­floh­mark­t ­statt.

Vielleicht sieht man sich?

In den Akten entdeckt ... Künstlerisch begabt in Gondelsheim

Johanna Wohlgemuth schrieb am 21.02.2018

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe

Aus Rechnungsakten der Almosenfondsverwaltung im Pfarrarchiv der Evang. Gemeinde Gondelsheim (1837-1840) (LkA KA, 044., Gondelsheim, Nr. 295)

In einer Rechnung der Almosenfondsverwaltung (1837-1840), die sich im Pfarrarchiv der Evangelischen Kirche Gondelsheim befindet, findet sich auf der Rückseite einer Quittung von 1838 ein kleines Kunstwerk, versehen mit den Worten: „Fondre! C’est moi qui commande“ (Blitz! Ich kommandiere). Ob da wohl jemandem langweilig war?

Parteilichkeit in der Armenfürsorge? Der Fall des Gondelsheimer Pfarrers Zipse

Johanna Wohlgemuth schrieb am 14.02.2018
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Vorladung von Pfarrer Martin Zipse durch das Großherzogliche Amtsgericht vom 10.03.1911 (LkA KA, 044., Gondelsheim, Nr. 51)
Eine Akte des Gondelsheimer Pfarrarchivs widmet sich dem 'Prozess des Pfarrers gegen den Volksfreund wegen Beleidigung bzw. des Vorwurfes der Parteilichkeit in der Armenfürsorge. 1910-1912' (Nr. 51).

Anlaß war ein Artikel in der sozialdemokratischen Zeitung Der Volksfreund am 12.01.1911, der dem Gondelsheimer Pfarrer Martin Zipse (1862-1939) parteiische Armenfürsorge vorwarf. Er habe einer bedürftigen älteren Dame den Empfang von Weihnachtsgaben durch die Gräfin Douglas vorenthalten, und das bloß, weil deren Söhne Sozialdemokraten waren. Erschwerend habe der Pfarrer zudem „Unfrieden zwischen ein junges Ehepaar gestiftet“, indem er den Eltern der Braut den zukünftigen Schwiegersohn als Sozialdemokraten und Umstürzler vorstellte.

Weil der Verfasser des Artikels nicht eindeutig identifiziert werden konnte - der Sohn des Hauptverdächtigen erhielt übrigens kurz vor dem Prozess zwei Stunden Arrest wegen „ungebührlichen Benehmens dem Ortsgeistlichen gegenüber“ -, klagte der Pfarrer schließlich gegen die Redaktion des Volksfreundes. Mit fünf geladenen Zeugen fand im März 1911 das Hauptverfahren vor dem Großherzoglichen Schöffengericht statt.

Das Ergebnis? Der Pfarrer übe „seine Seelsorge und Armenpflege völlig unparteiisch“ aus, die Vorwürfe im Artikel seien nichts weiter „als eine völlig aus der Luft gegriffene schmähliche Verleumdung“, wie die Brettener Sonntags-Zeitung am 26.03.1911 schrieb. Der Volksfreund blieb am Ende auf den Kosten des Verfahrens sitzen (150–200 RM) und wurde verpflichtet, das Gerichtsurteil im eigenen Blatt abzudrucken.

Übrigens bestätigt das Urteil die Meinung eines Gondelsheimer Bürgers, der zum Schmähartikel schon am 17.01.1911 öffentlich Stellung bezog: Der Pfarrer erfülle „sein Amt mit seltenerer Gewissenhaftigkeit“.

Ganz anders also als viele seiner Kollegen, tatsächlich nämlich hatten viele Geistliche der evangelischen Kirche den Vorwurf der Parteilichkeit verdient. Denn, wie Rainer Hering allgemein formuliert, die „evangelischen Landeskirchen waren eng mit dem Staat verbunden und unterstützten die […] Verfolgung der Sozialdemokraten vielfach. Sie wurden daher […] als Teil des obrigkeitsstaatlichen Repressionsapparates wahrgenommen.“ (Rainer Hering: SPD und Kirchen in Deutschland. In: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr. 4 (2011), S. 43f.)

Bedeutendes Stück kirchlicher Zeitgeschichte digitalisiert

Heinrich Löber schrieb am 12.02.2018
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Die ersten Seiten des ältesten von 57 Tagebüchern der Ost-West-Begegnungstreffen der Partnerkirchen Baden und Berlin-Brandenburg (Freundeskreis Gersbach): Postkarte von der Zonengrenze sowie Gedicht "Es wandeln sich die Reiche" von Hermann Claudius (LkA KA, 163.04., Nr. 18)
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Da konnten die Brandenburger noch in den Westen reisen: Abschied im Badischen Bahnhof Basel nach dem ersten Treffen im badischen Gersbach (Aug. 1957). Auszug aus dem ältesten Tagebuch der Ost-West-Begegnungstreffen der Partnerkirchen Baden und Berlin-Brandenburg (Freundeskreis Gersbach) (LkA KA, 163.04., Nr. 18)
Ist das Zufall oder Fügung? Als am 5.02.2018 der Tatsache gedacht wurde, dass die innerdeutsche Grenze nun solange nicht mehr das Land trennt, wie sie als Mauer Bestand hatte, erreichten ein Tag später die Digitalisate der 57 Tagebücher des 'Freundeskreises Gersbach' unser Archiv. Sie bilden den Hauptteil des Bestandes 163.04., Ost-West-Begegnungen der Partnerkirchen Baden und Berlin-Brandenburg (Freundeskreis Gersbach), der im Rahmen eines Festaktes im Juni 2014 dem Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe übergeben wurde.
Diese lückenlose Überlieferung der Tagebücher (1957 bis 2013) ist ein bedeutendes Stück kirchlicher Zeitgeschichte, spiegelt sie doch gelebte Gemeinschaft von Christen im Osten und Westen unter erschwerten Bedingungen wider. Über fast drei Jahrzehnte war der Besuch nur in einer Richtung möglich. Es ist dabei interessant zu lesen, wie die Westdeutschen das Leben ihrer ostdeutschen Glaubensschwestern und -brüder wahrgenommen haben. Die immense Freude über den Fall der Mauer 1989 findet in den Tagebüchern auf eindrückliche Weise Niederschlag.
Der Bestand wurde erschlossen und ist durch das Online-Findmittel "grenzenlos" recherchierbar und im Lesesaal unseres Archivs unter Beachtung der Schutzfristen nutzbar. Eine Kopie der Digitalisate wird im März 2018 dem Archiv der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz übergeben, zu dessen Provenienz diese Tagebücher unbedingt gehören.
 

Ein Meileinstein ist erreicht! Die vorläufig letzte Lieferung digitaler Kirchenbücher erreicht das Kirchenbuchportal

Heinrich Löber schrieb am 20.12.2017
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Diese Metadaten werden auch in Archion den einzelnen Büchern zugeordnet
Jahrelange tägliche Arbeit hat ein vorläufiges Ende gefunden, nämlich die Kontrolle digitalisierter Kirchen- und Familienbuchdateien für eine Veröffentlichung im Kirchenbuchportal.
Mit dem heutigen Tage verließen die letzten 944 Dateien unser Archiv.
Was fehlt noch? Insgesamt steht noch die Lieferung von 137 Dateien an, die bisher nur fehlerhaft vorliegen und so nicht veröffentlicht werden können. Anfang 2018 werden wir den Auftrag für eine Neuerstellung erteilen. Des Weiteren fehlen ca. 30 Dateien von Familienbüchern, die derzeit digitalisiert werden und Anfang 2018 an uns geliefert werden. Erst wenn alle diese Dateien erstellt bzw. kontrolliert wurden, kann von einem endgültigen Abschluss geredet werden. Zudem werden weitere Familienbücher, die an unser Archiv abgegeben werden, ebenso für eine Digitalisierung aufbereitet. Das passiert aber erst, wenn eine akzeptable Stückzahl erreicht ist.
Bis Archion die heute gelieferten Bücher veröffentlicht, wird noch geraume Zeit verstreichen. Die Kirchenbuchportal GmbH teilt täglich unter dem Button „News“ mit, welche Kirchenbücher online gestellt wurden, so dass man den Verlauf verfolgen kann.
Letztes Jahr (23.12.2016) hatten wir an dieser Stelle geschrieben: Seitens unseres Archivs ist es geplant, Ende 2017 dieses große Projekt abgeschlossen zu haben. In einem Jahr können wir hoffentlich davon berichten. Schön, dass das geklappt hat!
Wir halten Sie auf dem Laufenden, wenn auch die o. g. Dateien freigegeben werden und damit der Gesamtbestand geliefert ist.
In Erinnerung sei hier nochmals gebracht:
  • Archion steht in unserem Lesesaal zur Verfügung: Gegen Entrichtung der Tagesgebühr kann auch hier Einsicht genommen werden. Bitte dafür einen Platz reservieren.
  • Bücher nach dem Stichjahr (1870 bzw. 1876 - die Archion nicht veröffentlicht) können in unserem Archiv recherchiert werden. Das Findmittel zu dieser Komplettüberlieferung haben wir als PDF veröffentlicht (am Ende der Seite).
  • Die genannten 137 fehlerhaften Digitalisate sind nicht gesperrt, sondern können ebenso in unserem Lesesaal (als Film) eingesehen werden.

Nachlass der Pfarrerin und Frauenhistorikerin Hilde Bitz (1929-2017) übernommen

Heinrich Löber schrieb am 14.12.2017
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Hilde Bitz bei einer Taufe in der Paul-Gerhardt-Kirche Mannheim (1980) [LkA KA, 150.113]
Das Landeskirchliche Archiv hat den Nachlass der Pfarrerin und Frauenhistorikerin Hilde Bitz (1929-2017) übernommen. Sie war die erste gleichberechtigte Frau in einem Pfarramt unserer Landeskirche (1971) und hat damit Kirchengeschichte geschrieben.
Diese Tatsache hat sie ihr Leben lang beschäftigt: So ist sie Verfasserin zahlreicher Veröffentlichungen zur Geschichte der Frau im geistlichen Amt sowie etlicher Lebensbilder von Theologinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aber auch durch Vortragstätigkeit ist sie in Erscheinung getreten.

Dementsprechend beinhaltet der übernommene Nachlass Unterlagen zur badischen Frauengeschichtsschreibung, zum Konvent evangelischer Theologinnen in Deutschland (u.a. Tagungsteilnehmerlisten, gedruckte Theologinnenverzeichnisse) und in Baden, zur Geschichte der Frau im geistlichen Amt und Vortragsmanuskripte. Aber auch Unterlagen zum 50jährigen Jubiläum der Paul-Gerhardt-Kirche Mannheim, zum Weltgebetstag, zu Bibelwochen, den Themenkomplexen ‚Frau und Sexismus und ‚Bio-Ethik'', zum Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule sowie Korrespondenzen und Forschungsunterlagen zu Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, v. a. zu einzelnen ‚frühen' evangelischen Theologinnen, sind enthalten. Zudem finden sich ein Fotoalbum, berufliche Unterlagen, Dissertation (1919) und Promotionsurkunde der Theologin Grete Gillet (1895-1970). Des Weiteren bilden Zeugnisse, Urkunden (auch von Doris Faulhaber, mit der sie eine Lebensgemeinschaft bildete - vgl. Nachlass 150.106), Korrespondenzen, Fotoalben (Reisen 1950-1962, u.a. vom Kirchentag Berlin 1961), einzelne Fotos (u.a. als Kind, Pfarrerin, beim 70. Geburtstag und von Doris Faulhaber), Post zum 80. Geburtstag, Amtskalender 1956-2016, Notenheftchen des Elisabethgymnasium (1963), Gottesdienstprogramme des Diakonissenmutterhauses Mannheim (1984/85) ein beredtes Zeugnis ihres Lebens. Ihre Bibel und ihr NT Graece sowie ihr Talar mit Beffchen, Krägen, Barett lassen ihr geistliches Wirken greifbar werden; der Büchernachlass ist in die Landeskirchliche Bibliothek übergegangen.

Der Nachlaß hat die Signatur 150.113, einen Umfang vom 1,7 lfm und eine Laufzeit von (1919) 1946 bis 2017. Es ist geplant, diesen Nachlass zeitnah zu erschließen, um ihn der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Allerdings wird er aufgrund personenbezogener Daten nur mit Antragstellung auf Verkürzung der Schutzfristen benutzbar sein.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht

Heinrich Löber schrieb am 27.11.2017
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Wieder gereinigt - eines der Lesegäte im Lesesaal.
Am heutigen Tage wurden beide Mikrofilmlesegeräte unseres Lesesaals gewartet und dabei einer Grundreinigung unterzogen. Nach einem Jahr war eine solche Reinigung fällig und das Ergebnis ist wieder einmal bemerkenswert!
Nun kann eine Recherche eigentlich nur noch an einer ggfls. schlechten Verfilmung scheitern, keinesfalls aber am Zustand der Geräte ...
Überzeugen Sie sich selbst!

Digitalen Datenträger nicht dabei?

Heinrich Löber schrieb am 6.11.2017
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
So sieht er aus, der USB-Stick des Landeskirchlichen Archivs
Ab sofort ist so ein Fall unkompliziert lösbar. Wenn Sie digitale Reproduktionen mitnehmen wollen, aber keinen Datenträger im Gepäck haben, können Sie einen USB-Stick mit dem Landeskirchlichen Logo und der Aufschrift "Landeskirchliches Archiv Karlsruhe" bei Ihrem Besuch im Lesesaal des Archivs erwerben. Er hat eine Speicherkapazität von 4 GB und kostet 6 EUR.

Weitere 200 Familienbücher und Registerbände verfilmt und digitalisiert

Heinrich Löber schrieb am 20.10.2017

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Familienbücher und Register zu älteren Kirchenbüchern wie sie bislang als Original in der Präsenzbibliothek standen, fortan aber "nur noch" verfilmt bzw. als Digitalisate einsehbar sind.
Die Anfang des Jahres zur Verfilmung und Digitalisierung abgegebenen knapp 200 Familienbücher und Registerbände (zu älteren Kirchenbüchern) sind nun zurückgekehrt und stehen ab sofort wieder für eine Einsicht zur Verfügung. Allerdings nicht mehr als Original im Lesesaal, sondern auf Mikrofilm. Nach einer Kontrolle der Digitalisate werden die Bücher (mit einer Laufzeit bis 1876) in einem nächsten Schritt an die Kirchenbuchportal GmbH geliefert und anschließend online gestellt. Damit sind sie auch am PC im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs Karlsruhe einsehbar. Aber bis zu einer Online-Einsicht wird noch eine geraume Zeit verstreichen (Ende 2018) und man wird bis dahin mit den Mikrofilmen vorliebnehmen müssen.

Um welche Bücher es sich dabei handelt, können Sie dem Findbuch Kirchen-, Familien-, Israelitische Standesbücher (Verfilmungen) entnehmen, welches wir als PDF auf unserer Website veröffentlicht haben. Es handelt sich dabei um die Bücher der Filmnummern 1288 bis 1341 (problemlos auffindbar mit dem Suchfunktionsfeld).

Zeitgleich wurden weitere 26 Familienbücher zur Verfilmung und Digitalisierung abgegeben. Das sind Bücher, die in den letzten Monaten als Deposita an unser Archiv abgegeben wurden und bislang nicht mikroverfilmt vorlagen. Auch diese Bücher sind im Findbuch Kirchen-, Familien-, Israelitische Standesbücher (Verfilmungen) aufgeführt und  mit der Bemerkung ‚Derzeit zur Verfilmung/Digitalisierung abgegeben‘ versehen, so dass der interessierte Nutzer von der Existenz jener Bücher Kenntnis erhält.

Die verfilmten und digitalisierten Familienbücher werden aus Gründen der Bestandserhaltung fortan im Magazin aufbewahrt und nur in begründeten Ausnahmefällen vorgelegt.

Ein junges Pfarrarchiv ist erschlossen ...

Dr. Tabea Mußgnug schrieb am 11.10.2017

Quelle: Wikipedia - Gemeinfrei
Das Wahrzeichen von Karlsdorf: Das ehemalige Rathaus und heutige Heimatmuseum
... und zwar das Pfarrarchiv Karlsdorf-Neuthard-Forst. Die ältesten Akten stammen aus der Mitte der 1960er Jahre. Das hängt damit zusammen, dass die Pfarrei in ihrer heutigen, dreigliedrigen Form erst seit 1978 besteht. In jenem Jahre wurde sie in diesem genuin katholischen Gebiet als Sitz der Pfarrstelle IV von Bruchsal gegründet und ist seit 1983 eine eigenständige Kirchgemeinde Karlsdorf-Neuthard-Forst.

Die Gründung des Ortes Karlsdorf ist übrigens außergewöhnlich: 1813 beschlossen die Einwohner des alten Dorfes Dettenheim, das immer wieder vom Rheinhochwasser heimgesucht wurde, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Sie baten Großherzog Karl von Baden um einen Ort, an dem sie eine neue, vor Überschwemmungen sichere Heimat finden konnten und bekamen die Erlaubnis, auf der Gemarkung Altenbürg ihr neues Dorf aufzubauen. So zog das ganze Dorf um, inklusive der in ihre Einzelteile zerlegten Fachwerkhäuser und Scheunen, die im neuen Dorf wieder aufgebaut wurden. Und zum Dank benannten die ehemaligen Dettenheimer ihren nagelneuen Ort nach Großherzog Karl: Karlsdorf.

Erdbeben in Dühren und andere Ereignisse ...

Dr. Tabea Mußgnug schrieb am 23.08.2017

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
In der Chronik Dühren (1902-1919, 1950-1956) wird von einem Erdbeben am 16. Nov. 1911 berichtet, das natürlich den ganzen Ort - im Wortsinne - bewegte [LkA KA, 044. Dühren, Nr. 209]
... überliefert das Pfarrarchiv Dühren, welches nun erschlossen wurde. Es hat eine beeindruckend lange Laufzeit, denn das älteste Blatt Papier stammt aus dem Jahr 1630, das jüngste von 2014.

Ein besonderer Fund im Archiv ist die „Chronik der evangelischen Kirchengemeinde Dühren“. Sie wurde handschriftlich 1902 begonnen und bis 1956 mit Auslassung der Jahre 1920-1950 geführt. Sie erzählt von den kleinen und großen Ereignissen in Dühren: Pfarramtswechsel, die Gründung des Frauenvereins oder gelungene Jugendgottesdienste finden darin ihren Platz; Mädchen, die sich für den Beruf der Krankenschwester entschieden haben, werden stolz erwähnt. Vom Erdbeben am 16. November 1911 ist die Rede, bei dem man glaubte „die Wände wollten über einem einstürzen“ und davon, dass sich das ganze Dorf auf den Straßen versammelte, um das Erlebnis miteinander zu besprechen. Es gab wohl nicht wenige, meint der Chronist, die dieses Erdbeben im Nachhinein als Vorzeichen der Katastrophe des Ersten Weltkriegs sahen. Die Chronik erzählt dann auch vom Ausbruch dieses Krieges 1914; beschreibt ausführlich, wie dieses Großereignis auch das kleine Dühren betraf und listet die Vermissten und Gefallenen des Ortes auf – nicht nur mit Namen, sondern mit einer ganzen kleinen Biografie. So spannt die Chronik den Bogen vom Mikrokosmos des Dorflebens zu den großen europäischen Geschehnissen der Zeit. Ein tolles Stück Geschichte!
Es ist geplant, diese Chronik zu verfilmen und zu digitalisieren, so dass sie nach der Rückkehr des Pfarrarchivs ins Pfarramt, im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs als Reproduktion recherchierbar ist.

ARCHION veröffentlicht englischsprachigen Imagefilm

Heinrich Löber schrieb am 1.08.2017

Quelle: Kirchenbuchportal GmbH
Pünktlich zur International Germanic Genealogy Conference (IGGC), einer internationalen Tagung für deutsche Genealogie, die vom 28. bis 30. Juli 2017 in Minneapolis stattfand, präsentierte die Kirchenbuchportal GmbH einen englischsprachigen Clip auf Youtube.

Der Imagefilm wendet sich an Familienforscher und solche, die es werden wollen. Anschaulich und leicht verständlich werden die Möglichkeiten, die das Portal mit seinen online gestellten Kirchenbüchern seit reichlich zwei Jahren bietet, in einer Geschichte verpackt erzählt: Mrs. Smith aus den USA möchte mehr über ihre deutschen Vorfahren wissen. Mit Archion taucht sie in ihre Familiengeschichte ein. Drei Ereignisse lassen ihre Wurzeln aufscheinen: Die Taufe ihres Vorfahren Johann Friedrich Grabbe 1848 in Hamburg, bevor er mit seinen Eltern das Schiff nach Amerika betritt; die Hochzeit seiner Eltern 1847 in Neustadt sowie die Beerdigung seines Großvaters 1820 in Altdorf. Die ständig wachsende Zahl der zur Verfügung gestellten Kirchenbücher eröffnen Mrs. Smith und allen Neugierigen beste Konditionen, die eigenen Wurzeln online zu entdecken.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche (AABevK)

Das deutschsprachige Pendant befindet sich im Produktionsprozeß und wird auf dem 27. Norddeutschen Kirchenarchivtag in Hofgeismar am 11./12.09.2017 vorgestellt und ebenfalls auf Youtube eingestellt werden.

Für die Herstellung der beiden Clips konnte die Trickfilmklasse der Kunsthochschule Kassel gewonnen werden. Damit findet die erfolgreiche Kooperation mit dem Verband kirchlicher Archive in der AABevK aus dem letzten Jahr eine Fortsetzung. Damals hatte die Trickfilmklasse den Imagefilm der evangelischen Archive kreiert. Der Clip wurde in den letzten zehn Monaten knapp 14.000 mal aufgerufen.

Na, neugierig geworden?

Nachlaß von Pfarrer Gerhard Möckel (1924-2004) übernommen

Heinrich Löber schrieb am 21.07.2017
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Pfarrer Möckel bei einer Familienfeier in Athen (um 1955) [LkA KA, 150.112, Buch der Freunde (1989)]
Mit 55 Jahren trat Gerhard Möckel im Jahre 1979 als Studentenpfarrer in Heidelberg in den Dienst der Badischen Landeskirche. Sein Lebensweg und -werk zeigen schnell, warum sein Nachlaß eine wichtige Ergänzung der landeskirchlichen Überlieferung und ein außerordentliches Zeugnis der Kirchengeschichte der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts darstellt:
Als Sohn des siebenbürgischen Pfarrers Dr. Konrad Möckel wurde er in Hermannstadt geboren, besuchte das Honterus-Gymnasium Kronstadt, war 1944/45 Kriegsteilnehmer und in englischer Gefangenschaft. Von 1945 bis 1952 studierte er in Bethel, Göttingen und Basel Theologie und wurde 1953 Pfarrer der Deutschen-evang. Gemeinde in Athen. Ab 1958 leitete er Einsätze mit Gruppen der ‚Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste (ASF)‘. Im Jahre 1962 wechselte Möckel als Leiter der Evang. Akademie nach Berlin (West) und trat 1967 als Pfarrer in Berlin-Dahlem den Dienst an. 1972 bis 1976 war er zugleich ehrenamtlicher Vorsitzender der ‚Aktion Sühnezeichen‘ in Deutschland. Von 1979 bis 1987 hatte Möckel das Studentenpfarramt in Heidelberg inne und trat 1989 in den Ruhestand. Durch die politische Wende ermöglicht wagte er 1991 einen Neuanfang und ging mit seiner Frau in seine Geburtsstadt nach Hermannstadt, wo er noch im selben Jahr die Evang. Akademie Siebenbürgen (EAS) gründete. Bis 1999 war Möckel deren Leiter. In diese Zeit fiel auch die Grundsteinlegung für das Hans-Bernd-von-Haeften-Haus (1997). Möckel erfuhr für sein Lebenswerk die Auszeichnung ‚Freund der Hellenen‘ durch die Universität Athen (1996) sowie die Ehrenmitgliedschaft der Bürgerrechtsbewegung ‚Liga pro Europa‘ in Rumänien.
In zweiter Ehe war Gerhard Möckel mit Dorothea geb. Koch verheiratet, einer Tochter von Hans Koch, der als Rechtsanwalt und Notar in Berlin Verteidiger Martin Niemöllers (1938) und mitbeteiligt an den Vorbereitungen des Attentats auf Hitler war. Hans Koch wurde in den letzten Kriegstagen im April 1945 erschossen.
Der Nachlaß hat die Signatur 150.112 und umfasst 1,8 lfm. mit einer Laufzeit von 1947 bis 2002. Er spiegelt das vielseitige und umfassende Wirken von Möckel wider: Neben seinen Seminar- und Examensarbeiten, Unterlagen zu einer Reise mit dem Predigerseminar nach Holland (Okt. 1951) finden sich v. a. Unterlagen zu seiner Zeit als Leiter der Evang. Akademie Berlin-West (eigene Tagungen), als Pfarrer in Berlin-Dahlem (Predigten, Konfirmandenarbeit, Rumänienreise 1969) sowie Studentenpfarrer in Heidelberg (Predigten 1979-1987, besond. Gottesdienste 1983-1987, ESG-Programme 1979-1988 und Zeitschriften 1982-1987, Gedenktafel für Max Weber, AK Juden-Christen 1981-1985, Mitarbeiterkreis, Satzung, Memorandum 1983-1985, Konflikte 1985-1987, Studentenprozesse 1980-1984, Texte/Plakate aus den „wilden Jahren“, Peterskirchenkapitel 1978-1987, Pfarrkonvent, -konferenz 1978-1986, dienstl. u. Korrespondenz mit Studenten 1980-1987, ‚Peterskirchen-Konflikt‘ 1986/87, Protokolle Ausländerkomitee 1980-1986, Rumänien- (1981), Polenreise 1984). Vor allem diese Heidelberger Unterlagen sind gut überliefert und zeigen das Ringen und die Kämpfe um und mit der Studentenschaft der 1980er Jahre.
Des Weiteren enthält der Nachlaß Rundfunkandachten 1965-1998, Korrespondenz betr. Rumänien 1960-1974, Unterlagen zur 'Aktion Sühnezeichen' 1973, 1975, 1983-1990; Sitzungen und Tagungen des Hilfskomitees der Siebenbürgersachsen (HiKo) sowie die Briefwechsel und Auseinandersetzungen (1962-1999); Presseberichte Siebenbürgen 1965-2002; Protokolle, Briefwechsel, Unterlagen Evang. Freundeskreis Siebenbürgen (EFS) 1965, 1981-1998; Bundesverdienstkreuzverleihung an Hans Philippi 1972. Zudem sind eigene theologische Arbeiten (1961-1979) enthalten, v. a. Unterlagen zum Kirchenkampf, den Juden und den NS in Rumänien, zu Hermann Oberth (1894-1988), Richard Wurmbrand und die Märtyrerfrage (1969-1973). Aber auch die Planung und die Anfänge der EAS in Hermannstadt sind überliefert. Mehrere Akten von Predigten anderer Prediger sind enthalten. Ein besonderes Stück ist das 'Buch der Freunde zum 65. Geburtstag', das neben persönlichen Worten und zahlreichen Bildern und Fotos auch ein Namensregister enthält, was den großen Freundes- und Bekanntenkreis von Möckel vor Augen führt.
Auch Druckschriften finden sich: Landeskirchl. Informationen der Evang. Kirche A.B. in Rumänien 1995-1997 sowie Nachrufe auf Möckel in: Zugänge 32 (2004), 33 (2005), zeichen Nr. 3/2004 und eigene Veröffentlichungen: Fatum oder Datum? Aufsätze und Briefe. 1997; Siebenbürg.-Sächs. Geschichte in ihrem neunten Jahrhundert. Gespräch in der Zerstreuung. 1977; Rundbriefe aus Hermannstadt. 2007.
Es ist geplant, diesen Nachlaß zeitnah zu erschließen, um ihn besser recherchierbar zu machen. Der Nachweis, ein Biogramm und eine Bestandsbeschreibung finden sich in der Nachlassdatenbank des Bundesarchivs.

Zahlreiche weitere Kirchenbücher gehen online

Heinrich Löber schrieb am 18.07.2017
Quelle: Kirchenbuchportal GmbH
Nachdem in den letzten Wochen und Monaten tausende Kirchenbücher der Württembergischen, Berlin-Brandenburgischen, Norddeutschen (Kirchenkreis Mecklenburg mit seinen Kirchenbüchern der ehemaligen Evang.-Luth. Kirche Mecklenburgs) und Bayerischen Landeskirche sowie des Landesarchivs Speyer (kathol. Kirchenbücher Landstuhl und Dirmstein) durch die Kirchenbuchportal GmbH veröffentlicht wurden, ist nun wieder unsere Landeskirche an der Reihe. Damit kommt man dem Ziel peu à peu näher, die bislang 6.660 gelieferten (von insgesamt 7.400) Kirchenbüchern unserer Landeskirche zu veröffentlichen. Es handelt sich dabei um die Bücher der Filme 1 bis 1086. Das Findmittel zu den Verfilmungen haben wir als PDF veröffentlicht, so dass die interessierten Nutzer sich selbst ein Bild darüber verschaffen können, welche Kirchenbücher welcher Gemeinden bereits geliefert wurden bzw. ab Film 1086 noch folgen werden.
Archion veröffentlicht täglich unter dem Button „News“, welche Kirchenbücher online gestellt wurden, so dass man den Verlauf verfolgen kann.

Derzeit arbeitet unser Archiv daran, die verbliebenen reichlich 700 Dateien von Kirchenbüchern zu prüfen und anschließend an die Kirchenbuchportal GmbH zu liefern. Anschließend folgen die (derzeit) 359 Familienbücher, die als Deposita im Landeskirchlichen Archiv aufbewahrt werden. Diese werden im Moment verfilmt und digitalisiert. Eine Einsicht in diese Bücher wird dann im Lesesaal „nur noch“ als Film (bzw. in naher Zukunft an Benutzer-PC‘s) stattfinden. Oder durch die Kirchenbuchportal GmbH, der die Familienbücher auch geliefert werden und die ja den von den Benutzerzeiten unabhängigen Zugriff am heimischen Rechner bietet ...

Als letzter Schritt werden fehlerhafte Dateien nachgearbeitet. Es handelt sich hierbei um (derzeit) 116 Dateien (= Bücher). In Archion werden dann - so ist die Planung - in der ersten Jahreshälfte 2018 alle Bücher veröffentlicht vorliegen.

Neu ist übrigens im Lesesaal unseres Archivs die Nutzung des Kirchenbuchportals gegen Zahlung der herkömmlichen Tages- und Reprogebühren. Dafür ist es nötig, bei der Terminvereinbarung den 'PC-Platz' zu reservieren. Die Vorteile darin bestehen:

  • ohne Registrierung das Portal testen zu können;
  • dabei die Kosten gering(er) zu halten;
  • Landeskirchengrenzen überschreitend recherchieren zu können.

Fachtagung zum kirchlichen Archivwesen

Heinrich Löber schrieb am 22.06.2017
Quelle: Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche)
Tagungsteilnehmer vor dem Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer
Um neue Herausforderungen im kirchlichen Archivwesen ging es bei der so genannten 'Südschienentagung' am 19./20.06.2017 in Speyer. Dort trafen sich 45 Mitarbeiter süddeutscher evangelischer Kirchenarchive, darunter einige Vertreter anderer Archive (Bistumsarchiv und Stadtarchiv Speyer, Archiv im Evang.-Luth. Oberkirchenrat Oldenburg), die der Einladung der Evangelischen Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) zur 26. Zusammenkunft dieser Art gefolgt waren.
Auf der Tagesordnung standen aktuelle Fragen und Probleme der Archivpflege, der Bewertung, des "digitalen Wildwuchses" sowie der Möglichkeiten des Einsatzes von Ehrenamtlern in kirchlichen Archiven.
Dass Archive nicht mehr nur eingestaubte Urkunden- und Dokumentensammlungen seien, sondern ihr Schwerpunkt auf modernem Informationsmanagement liegen müsse, kam dabei mehrfach zur Sprache. "Archive müssen Wege finden, [...] Informationen zeitgemäß an die Nutzer heranzutragen." sagt Archivdirektorin Dr. Gabriele Stüber vom gastgebenden Zentralarchiv in einem Interview mit dem Öffentlichkeits- und Pressereferat der Evangelischen Kirche der Pfalz und verwies dabei auf die Notwendigkeit kompetenter Beratung sowie die zunehmende Anzahl von Online-Findmitteln und Handreichungen im Internet.

Pfarrarchiv Neckargerach ist nun zugänglich

Dr. Tabea Mußgnug schrieb am 6.06.2017

Quelle: Wikipedia - Gemeinfrei
seitl. Straßenansicht der evang. Kirche Neckargerach
In den letzten zwei Monaten wurde das Pfarrarchiv von Neckargerach verzeichnet: 464 Akten aus den Jahren zwischen 1729 und 2014.

Dieser Ort im Odenwald, der erst seit 1700 das Neckar-  vor dem –gerach trägt, hat eine wechselvolle Pfarreigeschichte. Im Zuge des Pfälzischen Bekenntniswechsels 1556 zog der Protestantismus auch in Neckargerach ein, eine evangelische Kirche wurde allerdings erst 1729 erbaut. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte Neckargerach oft die Filialgemeinden: Zwingenberg, Lindach, Guttenberg, aber auch Strümpfelbrunn und Schollbrunn – sie alle waren einmal oder mehrmals Filialgemeinden von Neckargerach. Ganz schön anstrengend, diese Dörfer alle zu versorgen. Bevor sich Pfarrer ein eigenes Auto leisten konnten, hieß das: viele Fußmärsche. So konnte das Pfarrersein eine körperlich sehr herausfordernde Arbeit werden. In den 1950er Jahren endlich, das geht aus den Akten hervor, leistete sich der Diakon ein eigenes Auto. Welche Erleichterung!

Müttererholung in Baden: Neuer Bestand erschlossen

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 31.05.2017

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe

Infoblätter der Mütterkurhäuser Baden-Baden und Hinterzarten (120.13, Nr. 11)

Vor kurzem wurde die Bearbeitung des Bestandes Mütterkurhäuser Baden-Baden und Hinterzarten abgeschlossen. Es handelt sich um einen kleinen, aber feinen Bestand, der Einblicke in fast 50 Jahre Müttererholung innerhalb der Badischen Landeskirche gibt. In Baden-Baden und Hinterzarten befanden sich die beiden Mütterkurhäuser, in denen seit den 1950er Jahren zahllose Erholungskuren für erholungsbedürftige Frauen und Mütter angeboten wurden. Seit Beginn der 2000er Jahre befinden sich die beiden Häuser nicht mehr im Besitz der Badischen Landeskirche, die sich gleichwohl weiterhin im Bereich der Müttererholung engagiert.

 

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe

Metallplatte des Mütterkurhauses in Hinterzarten, die anlässlich der Einweihung des Um- und Erweiterungsbaus 1990 angebracht wurde (120.13, Nr. 31)

Der Bestand wurde dem Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe Anfang dieses Jahres von den Evangelischen Frauen in Baden übergeben, die für die Verwaltung der Erholungsheime bis zu deren Verkauf zuständig waren. Er enthält neben Unterlagen zur Verwaltung, Konzeption und Ausrichtung der Häuser auch zahlreiche Dokumente, die den Kuralltag illustrieren, zum Beispiel Gästebücher, Briefe von Kurteilnehmerinnen sowie Fotos. Soweit keine datenschutzrechtlichen Vorgaben entgegenstehen, kann der Bestand im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs genutzt werden. Wer sich eingehender mit der Geschichte der beiden Häuser beschäftigen möchte, dem sei das neu entstandene Findbuch ans Herz gelegt.  Weitere Informationen zur Geschichte der Müttererholung in Baden gibt es außerdem hier.

Nachlass 72 Jahre nach dem Tode übernommen

Heinrich Löber schrieb am 23.05.2017
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Pfarrer Karl Heinrich (1907-1945) lesend
In diesen Tagen wurde der Nachlass von Pfarrer Karl Heinrich dem Landeskirchlichen Archiv übergeben. Pfarrer Heinrich ist bei einem Fliegerangriff auf Wollseifen (Eifel) in den letzten Kriegsmonaten am 21.01.1945 gefallen. Er hinterließ seine Ehefrau und vier Kinder. Die älteste Tochter hat nun - 72 Jahre später - unser Archiv wegen einer Übernahme angefragt.
Pfarrer Heinrich, der in Weiler bei Villingen seinen Dienst tat, kann stellvertretend für eine gesamte Generation stehen, die den Krieg nicht überlebt hat und deren Schicksal bis heute nachwirkt.
Der Nachlaß enthält Unterlagen aus dem dienstlichen und privaten Leben: Zeugnisse, Seminararbeiten, -predigten u. a. Schul- und Studienunterlagen, Predigten und Kasualansprachen, Vorträge (u.a. über die Melanchthonstifte), ein Krippenspiel aus dem Jahre 1942, die Familienchronik seiner Eltern aus Mosbach, Korrespondenz (auch Feldpostbriefe) mit seiner Braut und Ehefrau (1929-1945), Briefe an seine Mutter (1932) sowie etliche Fotos, darunter ein Porträtfoto, als Soldat und Bläser (u.a. beim Blasen zur Vereidigung 1941) und vom Stiftlertreffen Wertheim (1921, 1927). Des Weiteren finden sich eine Gratulation der Stiftler in Heidelberg zur Verlobung, wo Heinrich während seines Studiums als Präzeptor gearbeitet hat (mit Zeichnung, 1933) sowie die Todesanzeige und Beileidsschreiben.
Der Nachlaß ist der 111. Nachlaß in unserem Archiv (Sign. 150.111), er umfasst 0,4 lfm. und hat eine Laufzeit von 1921 bis 1946. Er wird hoffentlich zeitnah erschlossen werden können, um ihn besser recherchierbar zu machen. Einsehbar ist er allerdings schon jetzt, denn die Schutzfristen sind nach 72 Jahren überschritten. Den Nachweis, ein Biogramm und eine Bestandsbeschreibung finden sich in der Nachlassdatenbank des Bundesarchivs.
Die zahllosen enthaltenen Briefe zwischen ihm und seiner Braut und späteren Ehefrau sind ein Zeugnis einer Liebe in schweren Jahren.

„Mit Gott im Tor“ - Sammlung Kirche und Sport ab sofort im Lesesaal zugänglich

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 15.05.2017

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Ursprünglich befand sich die Sammlung Kirche und Sport in diesen Ordnern. Bei der Archivierung wurden sie entnommen und in alterungsbeständige Mappen und Boxen verpackt.
Nicht erst seit dem „Sommermärchen“, der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006, geraten die quasi-religiösen Facetten von Sport und sportlichen Großereignissen immer wieder in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das Spannungsfeld Religion und Sport ist das zentrale Thema des Arbeitskreises Kirche und Sport der Evangelischen Kirche, der auch in der Badischen Landeskirche vertreten ist. Die Tätigkeit des Arbeitskreises in Baden spiegelt sich wider in der Sammlung Kirche und Sport, die das Landeskirchliche Archiv Karlsruhe letztes Jahr übernommen und inzwischen für die Benutzung erschlossen hat.

Angelegt hat die Sammlung Pfarrer Dr. Torsten Sternberg, der von 1996 bis 2003 Vorsitzender des Arbeitskreises Kirche und Sport Baden war. Sternberg, selbst passionierter Sportler, legte die Sammlung ursprünglich im Zuge der Recherchen zu seiner Doktorarbeit an, Sport mit Leib und Seele. Bestandsaufnahme und Perspektive evangelischer Sportarbeit, 1993 erschienen. Kirche und Sport blieben auch nach Abschluss der Promotion zentrales Anliegen Sternbergs und so wuchs die Sammlung weiter. Es findet sich darin viel Literatur zum Thema, aber auch Unterlagen zu verschiedenen Gremien, Vereinen und Verbänden, Magazine und Dokumentationen zu sportlichen Großveranstaltungen aus kirchlicher Perspektive. In der Vergangenheit wurde die Sammlung bereits mehrfach von Studierenden aus Theologie und Sportwissenschaft zur Recherche benutzt. Die Abschlussarbeiten, die daraus entstanden sind, haben ebenfalls Eingang in die Sammlung gefunden. Wer sich einen Überblick über die Sammlung verschaffen möchte, werfe einen Blick in das Findbuch. Sie deckt einen Zeitraum von den 1960er Jahren bis zum Beginn der 2000er Jahre ab. Das Reinschauen lohnt sich – nicht nur für Sportbegeisterte!

Weitere 1.000 badische Kirchenbücher gehen seit gestern online

Heinrich Löber schrieb am 11.04.2017

Quelle: Kirchenbuchportal GmbH
Jetzt ist es soweit: Die Ende 2016 an das Kirchenbuchportal (www.archion.de) gelieferten 1.000 digitalisierten Kirchenbücher der (ehemaligen) Kirchenbezirke Baden-Baden, Emmendingen, Lahr, Offenburg, Rastatt und Schopfheim werden seit gestern peu à peu veröffentlicht. Nachdem in den letzten Monaten (zehn-)tausende Kirchenbücher der Württembergischen, Berlin-Brandenburgischen, Bayerischen, Kurhessen-Waldeckischen und Lippischen Landeskirche sowie des Zentralarchivs Berlin (Kirchenbücher der historisch deutschen Ostgebiete) eingespeist wurden, ist nun wieder unsere Landeskirche an der Reihe. Archion veröffentlicht täglich unter dem Button „News“, welche Kirchenbücher online gestellt wurden, so dass man den Verlauf verfolgen kann.

Damit werden demnächst 6.660 von 7.300 Kirchenbüchern unserer Landeskirche durch das Kirchenbuchportal veröffentlicht sein. Es handelt sich dabei um die Bücher der Filme 1 bis 1086. Das Findmittel zu den Verfilmungen haben wir als PDF veröffentlicht, so dass die interessierten Nutzer sich selbst ein Bild darüber verschaffen können, welche Gemeinden ab Film 1086 noch folgen werden.

Dabei handelt es sich um reichlich 700 Dateien von Kirchenbüchern, die noch auf eine Prüfung und Lieferung warten. Anschließend folgen die (derzeit) 354 Familienbücher, die als Deposita im Landeskirchlichen Archiv aufbewahrt werden. Diese werden im Moment verfilmt und digitalisiert. Eine Einsicht in diese Bücher wird dann im Lesesaal „nur noch“ als Film (bzw. in naher Zukunft an Benutzer-PC‘s) stattfinden. Oder durch die Kirchenbuchportal GmbH, der die Familienbücher auch geliefert werden und die ja den von den Benutzerzeiten unabhängigen Zugriff am heimischen Rechner bietet ...

Als letzter Schritt werden fehlerhafte Dateien nachgearbeitet. Es handelt sich hierbei um (derzeit) 109 Dateien/Bücher. In Archion werden dann - so ist die Planung - in der ersten Jahreshälfte 2018 alle Bücher veröffentlicht vorliegen.

Ein noch immer aktuelles Stück kirchliche Zeitgeschichte – Die Sammlung zum KKW Wyhl

Dr. Gernot Losansky schrieb am 31.03.2017

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Die Postkarte zeigt neben den Demonstranten auch die Staatsmacht (LkA KA 158.05, Nr. 4)
Ein noch immer aktuelles Stück Zeitgeschichte bildet die jetzt erschlossene Sammlung von Unterlagen zu den Auseinandersetzungen um den Bau eines Kernkraftwerkes in Wyhl in den 1970er Jahren, die von Pfarrer i. R. Günter Richter aus Freiburg i. Br., damals Pfarrer im benachbarten Weisweil, im Jahre 2008 an das Landeskirchliche Archiv abgegeben worden ist. Sie ist fortan unter der Bestandssignatur und dem Bestandsnamen Bestand 158.05. - KKW Wyhl (Sammlung Richter) recherchier- und einsehbar.

Die darin befindlichen Korrespondenzen kirchlicher Stellen zeugen von dem großen Engagement der Kirchen in diesem letztlich erfolgreichen Widerstand gegen das Bauprojekt und dokumentieren damit ein wichtiges Stück badischer kirchlicher Zeitgeschichte aus einer aufregenden Zeit!

Zahlreiche Presseausschnitte, Infomaterialien und Zeitschriftenartikel machen die Ereignisse darüber hinaus anschaulich und erlebbar.

Das zugehörige Findbuch ist online als PDF verfügbar.

Dokumente aus dem Leben von Pfarrer Ernst Münz (1915-1969) erschlossen

Dr. Gernot Losansky schrieb am 28.03.2017

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Vorladung der Geheimen Staatspolizei Karlsruhe für Ernst Münz vom 25. Febr. 1940 [LkA KA, 150.108, Nr. 5]
Die Sammlung von Dokumenten aus dem Leben von Pfarrer Ernst Münz aus Durlach, welche im Februar 2016 aus dem Nachlass seiner Witwe dem Landeskirchlichen Archiv übergeben worden ist, ist fortan unter der Signatur 105.108. (Nachlass Münz, Ernst) als erschlossener Bestand im Lesesaal nutzbar.

Die darin enthaltenen Unterlagen spiegeln die Unterstützung der Bekennenden Kirche durch Ernst Münz in der Zeit des Nationalsozialismus wider, der aufgrund seiner ablehnenden Haltung und seines Widerstandes gegenüber dem NS-Regime zeitweise inhaftiert und schließlich erst nach dem Ende des Regimes in den badischen Pfarrdienst aufgenommen wurde.

So finden sich in den Unterlagen nicht nur Abschriften von zwei Flugblättern sowie das von ihm verweigerte Bekenntnis zum NS-Staat. Vielmehr zeugen sie auch von seinem aktiven Engagement in den Schülerbibelkreisen. Ergänzt und vertieft werden diese persönlichen Dokumente durch Zeitzeugenberichte seiner Witwe Ruth Münz (1919-2009) sowie seines Schwagers Dr. Gottfried Odenwald.

Auf diese Weise bildet der Bestand ein eindrückliches Beispiel für den kirchlichen Widerstand in Baden gegen den Nationalsozialismus und dessen Einflussnahme auf das kirchliche Leben. Er umfasst insgesamt 15 Akteneinheiten mit einem Umfang von 0,05 lfm. und einer Laufzeit von 1932 bis 2001. Das Findbuch ist als PDF online zugänglich. Zugleich findet sich eine Inhaltsübersicht in der Zentralen Nachlassdatenbank (www.nachlassdatenbank.de).

Markt der Möglichkeiten in der Landesmedienzentrale

Heinrich Löber schrieb am 21.03.2017
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Eine Schülergruppe aus Mosbach stellte ihre Arbeit über den Sulzbacher Pfarrer Fritz Stihler (1911-1974; in Sulzbach 1948-1954) mit einem Plakat vor
Unser Archiv war am Freitag, den 17. März 2017, auf dem Markt der Möglichkeiten in der Landesmedienzentrale Baden-Württemberg mit einem eigenen Stand vertreten, der im Rahmen der 18. Karlsruher Tagung für Archivpädagogik stattfand.
Auf diesem Markt stellten neben Archiven auch Museen, Schulen und weitere Kultureinrichtungen ihre pädagogischen Angebote vor, präsentierten Materialien und Projekte zum Tagungsthema 'Religion in der Region' und standen für Gespräche zur Verfügung. Schülerinnen und Schüler präsentierten Ihre Arbeiten, die im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2016/17 entstanden sind.
Unser Archiv hat in diesem Zusammenhang auch seinen neuen Flyer ausgelegt, den wir hier präsentieren:
 

Die Urkundensammlung - klein, aber gehaltvoll

Dr. Gernot Losansky schrieb am 20.03.2017

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Urkunde über den Verkauf des ehemaligen Pfarrhauses in Wallstadt an Johann Brucher, Pfalzkeller zu Bruchhausen (1586) [LkA KA, Bestand 168., Nr. 32]
In der vergangenen Woche wurde im Rahmen eines Praktikums die Urkundensammlung neu erschlossen, die schon lange im Magazin auf ihre „Wiederentdeckung“ wartete. Es handelt sich dabei um 35 Archivalien verschiedenster Zeitstellung, ausgehend vom Ende des 15. Jahrhunderts bis in das eben erst begonnene 21. Jahrhundert. Mit ihrer Formierung zum neuen Bestand 168. Urkunden steht die Sammlung jetzt für die wissenschaftliche Forschung wie für die interessierte Öffentlichkeit zur Verfügung - das Findmittel haben wir als PDF veröffentlicht.

Trotz seines kleinen Umfanges gibt dieser Bestand sehr interessante Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche des kirchlichen Lebens und Handelns quer durch die Jahrhunderte. So finden sich darunter Kirchenverträge und Urkunden zu kirchlichen Bauvorhaben genauso wie Kauf- und Tauschverträge (siehe Foto). Hinzu kommen personenbezogene Dokumente, wie etwa Kollektenpatente, unter anderem für den Bau der reformierten Kirche in Karlsruhe von 1719 und 1721. Besonders hinzuweisen ist auch auf das reich verzierte Adelsdiplom für Elisabeth Offensandt von Berckholtz von 1887, deren Sohn Wilhelm 1909 das nach ihr benannte evangelische Pflegeheim in Karlsruhe stiftete.

Insgesamt ist es neben der thematischen Breite vor allem die beeindruckende Vielfalt an äußeren Gestaltungsformen, welche eine Beschäftigung mit diesem Bestand so spannend macht.

Pfarrarchiv Binau

Dr. Tabea Mußgnug schrieb am 14.03.2017
Quelle: Wikipedia - Gemeinfrei
Vertriebene mit ihren Habseligkeiten
Das Pfarrarchiv Binau ist erschlossen - und barg eine kleine Überraschung: Unter Stapeln von alten Rechnungen fand sich ein gebundenes Buch ohne Aufschrift, in dem jeder einzelne in Binau 1945 und 1946 ankommende Flüchtling aufgelistet und die individuellen Lebensumstände festgehalten wurden. Dadurch erfährt man nicht nur die Namen der Flüchtlinge, sondern auch etwas über ihre Familien, welches Gepäck sie mitbrachten (bei vielen ist allerdings „ohne Gepäck“ vermerkt), wo sie vor ihrer Flucht wohnten, welche Berufe sie gelernt hatten, welche Namen ihre Kinder trugen und wer sie nun in Binau aufnahm. Ein einzigartiges Zeugnis der chaotischen Flüchtlingssituation in der Nachkriegszeit und ein Buch, das dem unübersichtlichen Flüchtlingsstrom Namen und Schicksale gibt.

Pfarrarchiv Mückenloch mit Dilsberg

Dr. Tabea Mußgnug schrieb am 21.02.2017

Quelle: Wikipedia - Gemeinfrei
Evangelische Kirche Mückenloch (1930 erbaut)
Im Dezember und Januar widmete ich mich den beiden Pfarrarchiven Dilsberg und Mückenloch – beides benachbarte Orte im Odenwald.

Wieder einmal besonders berührt haben mich dabei die Einzelschicksale, die da in den Aktenbergen immer wieder auftauchen, besonders aus den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Flüchtlingsfrauen aus Ostpreußen, die sich mit winzigen finanziellen Unterstützungen irgendwie durchschlagen mussten; eine alte Oma, die noch mit über siebzig und schlechten Augen für das halbe Dorf Flickarbeiten erledigte, um ihre Miete bezahlen zu können; Konfirmanden, die von der Kirche Geld für einen Konfirmandenanzug erbettelten. Das Leben war hart im Odenwald der 1950er Jahre - kein Petticoat und keine Milchbar in Sicht.

So können alte Akten auch immer wieder verklärte Geschichtsbilder geraderücken.

Unterlagen des Fördervereins Kindergottesdienst zugänglich gemacht

Azubi Angela Bystricky schrieb am 17.02.2017
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Die neun Akten des Fördervereins Kindergottesdienst e.V. in einer Box
An zwei Tagen wurden die Unterlagen des Fördervereins Kindergottesdienst e.V. als ein eigener Bestand archivisch erschlossen und stehen nun der interessierten Öffentlichkeit für eine Benutzung zur Verfügung. Voraussetzung dafür ist natürlich, bestehende Schutzfristen zu prüfen.
Dieser Förderverein ist eigenständig und  dem
Religionspädagogischen Institut (RPI) der Landeskirche angegliedert.
Die Unterlagen haben eine Laufzeit von 1989 bis 2016, bilden nun 9 Akten und entsprechen 0,1 lfm. (s. Foto). Die Akten enthalten Informationen über stattgefundene Veranstaltungen (v. a. Jubiläen und Tagungen) sowie Jahresbriefe an die Mitarbeitenden, Sitzungsprotokolle und Dokumente über die Gründung des Vereins im Jahre 1999. Zahlreich enthaltene Fotos ergeben ein anschauliches Bild von der Arbeit und Geschichte des Fördervereins.
Der Bestand trägt die Bestandssignatur 114.

Alles in einem. Neues Findbuch für Kirchen-, Familien- und Israelitische Standesbücher

Heinrich Löber schrieb am 3.02.2017
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Die vertrauten zwei "Blauen Bände" werden fortan ersetzt durch das 956 Seiten umfassende schlauchgebundene Findmittel, das nun auch die neu verfilmten 335 Familienbücher umfasst. Im Hintergrund sieht man einen Teil des Bestandes der Ortssippenbücher
Nachdem nun der komplette Bestand aller Kirchen-, Familien- sowie Israelitischen Standesbücher verfilmt und digitalisiert vorliegt, ist ein lang gehegter Wunsch umgesetzt worden, ein gemeinsames Findbuch zu erstellten.
Mit ihm erhält man auf einem Blick die mit weitgehenden 'Enthält-Vermerken' erschlossene Überlieferung der verfilmten Kirchen-, Familien- und Israelitischen Standesbücher. Bei den Kirchenbüchern handelt es sich um den Komplettbestand unserer Landeskirche (7.300 Bücher); bei den Familienbüchern um den der 335 Bücher, die als Deposita in unserem Archiv aufbewahrt werden sowie der ca. 100 Bücher, die verfilmt wurden, aber in den Gemeinden liegen. Vor Ort schlummern weit mehr Familienbücher als hier aufgeführt sind. Die 95 Israelitischen Standesbücher befinden sich nicht in unserem Archiv, sondern es sind die Verfilmungen des Reichssippenamt, die die Landeskirche 1948 käuflich erwarb. Diese sind aber in einem schlecht lesbarem Zustand und wurden deshalb nicht digitalisiert.
In diesem Zusammenhang wurde das Findmittel - innerhalb der Gemeinden - in eine chronologische Ordnung gebracht. Rot markiert sind die Familienbücher, die derzeit verfilmt und digitalisiert werden. Durch die Suchfunktion lassen sich auch die Orte finden, die keine eigene Gemeinde hatten und in den Kirchenbüchern ihrer Matergemeinde zu recherchieren sind.
Bis Film 1086 sind alle Dateien an das Kirchenbuchportal geliefert und ein Großteil der Bücher online einsehbar. Um welche es sich dabei handelt, ergibt ein Blick in das Portal.
Für Genealogen sei hier auch auf unseren bemerkenswerten Bestand an badisch-evangelischen Ortsippenbüchern (OSB) verwiesen, der im Lesesaal des Archiv einsehbar ist. Er ist v. a. deshalb bedeutsam, weil er dutzende OSB enthält, die nur maschinenschriftlich als unveröffentlichte Manuskripte vorliegen. Auch dieses Findmittel haben wir als PDF online gestellt.
Sie sehen, es gibt vielfältige Angebote. Nutzen Sie sie und machen Sie vielleicht unerwartete Entdeckungen!
 

Familienbücher nun nicht mehr im Lesesaal

Heinrich Löber schrieb am 26.01.2017
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Die in diesen Regalen bisher vorhandenen 335 Familienbücher werden verfilmt/digitalisiert und fortan im Magazin aufbewahrt
Dem aufmerksamen Benutzer ist es längst aufgefallen: Die 335 Familienbücher, die in der Präsenzbibliothek des Lesesaals für eine Einsicht zur Verfügung standen, sind Stück für Stück verschwunden und nicht mehr an ihrem gewohnten Ort. In zwei Etappen werden diese verfilmt und digitalisiert und fortan ihren Platz im Magazin einnehmen. Die ersten 144 Familienbücher sind in dieser Woche verfilmt und digitalisert in unser Archiv zurückgekehrt und werden in den Bestand 'Abt. 155. Filme, Microfilme, verfilmte Bestände' aufgenommen. Es wird künftig auch ein gemeinsames Findmittel für die verfilmten Kirchen-, Israelitischen Standes- und Familienbücher geben, welches in den nächsten Tagen als PDF auf unserer Website veröffentlicht wird. Mit diesem Findmittel erfahren Sie auch, welche Familienbücher derzeit verfügbar sind. Unsere Vorstellung ist, dass Genealogen sowie anderweitig in den Kirchenbüchern Forschende unvermittelter auf die Familienbücher stoßen.
Die zweite Lieferung der verbliebenen 190 Familienbücher ist nun in Auftrag gegeben und es wird geraume Zeit (ca. 1/2 Jahr) dauern, bis diese dann (als Film) einsehbar sind.
In naher Zukunft (geplant 2018) werden die Digitalisate zudem an das Kirchenbuchportal geliefert, damit sie als herausragende kirchliche Quelle für die Forschenden auch vom häuslichen PC (gegen Gebühr) recherchierbar sind.

Grenzüberschreitende Familienforschung: Testphase des Kirchenbuchportals im Lesesaal ohne zusätzliche Gebühr!

Heinrich Löber schrieb am 13.01.2017

Quelle: www.archion.de
Evangelische Kirchenbücher jener Gebiete (blau hinterlegt; auch historisch deutscher Gebiete) sind testweise online auch in unserem Archiv einsehbar
Die Kirchenbuchportal GmbH ermöglicht den Archiven der beteiligten elf Landeskirchen eine testweise Nutzung ihres Angebots in den Lesesälen. Zu ihnen gehört auch unser Archiv. So ist es den Benutzer*innen unseres Archivs ab sofort möglich, Einsicht in online gestellte Kirchenbücher nicht nur der Badischen Landeskirche, sondern auch anderer Landeskirchen zu nehmen. Hintergrund dieser Testphase ist es, herauszufinden, ob sich dieses Angebot für die einzelnen Archive lohnt. Das Angebot gilt bis zum 19.09.2017.

Voraussetzung ist natürlich, dass die gewünschten Kirchenbücher bereits durch Archion online gestellt sind. Das kann man vom häuslichen PC aus über den Archion-Button "Browse" recherchieren.

Wie muss man sich das vorstellen? Im Lesesaal unseres Archivs gibt es derzeit einen ‚Benutzer-PC‘, an dem neben dem Scannen und Ausdrucken von Einträgen aus verfilmten Kirchenbüchern (unserer Landeskirche) fortan auch das Onlineangebot des Kirchenbuchportals zu Verfügung steht. Benutzer*innen, die in unser Archiv kommen wollen und eine Nutzung des Kirchenbuchportals wünschen, sollten das bei der Terminvereinbarung erwähnen, damit ihnen dieser Platz reserviert wird. Der Zugang zu Archion an diesem PC ist gerätegebunden, so dass kein Login vonnöten ist. Eine Nutzung dieses Angebots hat für die Benutzer*innen neben der Tages- und Reproduktionsgebühr für private genealogische Recherchen (Gebührenordnung) keine zusätzliche Gebühr zur Folge. Der auf das Archiv registrierte Zugang bietet Lese- und Download-Funktion, aber keine Nutzung des Forums und von UGC (= nutzergenerierten Inhalten).

Worin besteht der Vorteil? Mit diesem Angebot erhalten die Benutzer*innen luxuriöse Recherchebedingungen: Neben der ‚klassischen Einsicht‘ (verfilmter Kirchenbuchbestand unserer Landeskirche, Familienbücher, Ortssippenbücher (vgl. Findmittel), Deposita von Originalkirchenbüchern) sowie einer qualifizierten Unterstützung durch die Archivar*innen können nun die Benutzer*innen erstmals landeskirchengrenzüberschreitend in evangelischen Kirchenbüchern recherchieren. Und: Man kann das Portal testen, ohne sich einen eigenen Pass zu kaufen.

Gibt es Nachteile? Man muss zuvor einen Termin vereinbaren, sich auf den Weg in unser Archiv machen und die Recherche innerhalb der Benutzerzeiten durchführen. Ob das ein Nachteil darstellt, darauf muss jeder selbst eine Antwort finden.

Ob die Möglichkeit der Onlinerecherche nach Ablauf der Testphase bestehen bleibt, hängt von dem Zuspruch ab und wird erst nach ihrem Ende im September 2017 entschieden. 

Weitere 1.000 badische Kirchenbücher an das Kirchenbuchportal geliefert

Heinrich Löber schrieb am 23.12.2016

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Weitere 1.000 Kirchenbücher unserer Landeskirche werden in absehbarer Zeit online einsehbar sein. Hier das lutherische Kirchenbuch Weiler (Pforzheim) 1791-1877 in dreierlei Gestalt: Im Original sowie reproduziert als Film und online gestellte Datei.
Das selbst gesteckte Ziel wurde erreicht, nämlich noch vor der Weihnachtspause weitere Dateien von digitalisierten Kirchenbüchern unserer Landeskirche an das Kirchenbuchportal zu liefern. Es handelt sich dabei um 1.000 Kirchenbücher der (ehemaligen) Kirchenbezirke Baden-Baden, Emmendingen, Lahr, Offenburg, Rastatt und Schopfheim. Darunter sind auch drei Familienbücher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Lahr, Öfingen, Todtnau-Schönau). Die Digitalisate wurden – wie bisher praktiziert - von den Verfilmungen der 1960er Jahre erstellt und sind mit dem Wasserzeichen „Landeskirchliches Archiv Karlsruhe“ versehen.

Es wird noch einige Zeit verstreichen bis Archion diese Bücher veröffentlicht. Nach Auskunft der Kirchenbuchportal GmbH werden zunächst Kirchenbücher der Württembergischen, Berlin-Brandenburgischen, Bayerischen, Kurhessen-Waldeckischen und Lippischen Landeskirchen eingespeist. Von einer Onlinestellung der badischen Bücher ist im April/Mai 2017 auszugehen. Archion veröffentlicht täglich unter dem Button „News“, welche Kirchenbücher online gestellt wurden, so dass man den Verlauf verfolgen kann.

Damit sind nun 6.660 von 7.300 Kirchenbüchern unserer Landeskirche an die Kirchenbuchportal GmbH geliefert. Knapp 700 Dateien von Kirchenbüchern warten demnach noch auf eine Prüfung und Lieferung. Anschließend folgen die 300 Familienbücher, die als Deposita im Landeskirchlichen Archiv aufbewahrt werden und im Lesesaal ihren Standort haben bzw. hatten. Denn diese werden derzeit in zwei Etappen verfilmt und digitalisiert. Eine Einsicht in diese Bücher wird dann im Lesesaal „nur noch“ als Film (bzw. in naher Zukunft an Benutzer-PC‘s) stattfinden, weil sie aus bestandserhalterischen Erwägungen heraus künftig im Magazin aufbewahrt werden. Oder durch Archion, das ja den von den Benutzerzeiten unabhängigen Zugriff am heimischen Rechner bietet!

Als letzter Schritt werden fehlerhafte Dateien nachgearbeitet. Es handelt sich hierbei um (derzeit) 105 Dateien/Bücher. Seitens unseres Archivs ist es geplant, Ende 2017 dieses große Projekt abgeschlossen zu haben. In einem Jahr können wir hoffentlich davon berichten.

Es geht auf Weihnachten zu

Mareike Ritter schrieb am 15.12.2016

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Heimatbote Eschelbronn, 1. Jg., Nr. 12, mit dem Text „Es geht auf Weihnachten zu“ [Quelle: LkA KA, 043., Nr. 470]
Heute vor genau 100 Jahren erschien der zwölfte Heimatbote für die Evangelischen Gemeinden Eschelbronn und Neidenstein im heutigen Kirchenbezirk Kraichgau. Pfarrer D. Dr. Leopold Cordier (1887-1939) wendet sich darin sowohl an seine Gemeindeglieder vor Ort als auch an die an der Front stehenden Soldaten.

Vor hundert Jahren, zu Kriegszeiten, wollte bei Pfarrer D. Dr. Cordier zunächst keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Dies beschreibt er in seinem geistlichen Grußwort. Erst mit dem Packen von Weihnachtspaketen für die Soldaten an der Front wird ihm bewusst: „es geht auf Weihnachten zu“. „Denn zur Weihnachtsstimmung gehört, dass man jemand etwas Liebes erweisen darf.“

Der Heimatbote für die Ev. Gemeinden Eschelbronn und Neidenstein wurde von Pfarrer D. Dr. Cordier im Jahr 1916 begonnen. Vermutlich sollten durch ihn die Soldaten im Krieg über die Geschehnisse in der Heimat informiert werden. Es finden sich in den Heimatboten vor allem Berichte von gefallenen Soldaten (zum Teil auch mit Fotos), aber auch eine Fortsetzungsgeschichte mit Kriegserinnerungen von 1807-1815, Gedichte, ein Bericht über die Landung eines Flugzeugs in Neidenstein sowie die Beschreibung der abgenommenen Glocken. Des Weiteren wird dem verstorbenen ehemaligen Pfarrer Richard Schmidt (+ 28.12.1916) gedacht. Eine Ausgabe beinhaltet die Abschiedspredigt von Pfarrer Dr. Cordier und in der letzten überlieferten Ausgabe ist die Antrittspredigt von Pfarrer Otto Friedrich Hessig (1883-1945) abgedruckt.

Insgesamt zwölf Ausgaben des Heimatbotens (vom Dezember 1916 bis Januar 1918) sind im Dekanatsarchiv Sinsheim überliefert. Sie sind bei Umverpackungsarbeiten aufgetaucht.

Schüler entdecken und erforschen Kirchengeschichte

Heinrich Löber schrieb am 4.11.2016

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Schülergruppe des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums Mosbach mit ihrer Geschichtslehrerin
Der Altersdurchschnitt der Archivbenutzer wurde in der letzten Zeit massiv gesenkt, weil sich Schülergruppen aufgemacht haben, um im Rahmen ihrer Teilnahme am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2016/17 Einsicht in Akten zu nehmen. Dass sie dabei auch in das Landeskirchliche Archiv Karlsruhe kamen, ist kein Zufall, denn der von der Körber-Stiftung ausgeschriebene Wettbewerb steht unter dem Thema „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“. Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass das gewählte Thema entweder einen regionalen Bezug zu dem Wohn- oder Heimatort oder einen biografischen Bezug zur Familie der Schülerinnen und Schüler hat.

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Schülerinnen des Elisabeth-von-Thadden-Gymnasiums Heidelberg

So beleuchtet eine Schülergruppe des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums Mosbach die Lebensgeschichte des Neckarburkener Pfarrers August Frick (1913-1995) sowie die Umstände der Türöffnung im Mosbacher Simultaneum der Stiftskirche im Jahre 2008. Zwei Schülerinnen des landeskirchlichen Elisabeth-von-Thadden-Gymnasiums Heidelberg kamen in das Landeskirchliche Archiv, um die Aktenlage zur Geschichte der Heidelberger Mormonen zu sichten.

 

Bestand Bad Antogast und Altschweier erschlossen

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 28.10.2016:

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe

Begrüßungsrede des Lagerleiters vom März 1956 (LKA KA 071.01 Nr. 32)

Ab sofort steht im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs ein neuer Bestand zur Benutzung zu Verfügung. Der Bestand 071.01 Flüchtlingslager Bad Antogast und Altschweier beinhaltet vor allem Unterlagen aus dem Lager Bad Antogast im Maisachtal bei Oppenau in Südbaden. Dort wurde zu Beginn der 1950er Jahre ein sogenanntes Landesdurchgangslager vom Land Baden-Württemberg eingerichtet. In dem Lager waren zunächst Jugendliche aus der DDR untergebracht, dann ungarische Jugendliche und später geflüchtete Familien aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Baden beschäftigte dort Fürsorgerinnen, die sich vor Ort um die Belange der Menschen kümmerten. Bei dem Bestand handelt es sich denn auch um die Unterlagen des Hilfswerks, dessen Hauptstelle im Gebäude des Evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe war. Ein kleiner Teil der Unterlagen bezieht sich auf den Kindergarten des Landesdurchgangslagers Altschweier bei Bühl (Baden). Gertrud Hamman, damals Landesfürsorgerin des Hilfswerks, kümmerte sich in dieser Eigenschaft auch um den dortigen Lagerkindergarten.

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe

Bericht vom März 1958 „Das Flüchtlingsproblem heute“ (LKA KA 071.01 Nr. 15)

Der Bestand enthält einen hohen Anteil personenbezogener Daten. Für die betreffenden Akten wurden daher Schutzfristen hinterlegt. Diese können auf Antrag im Einzelfall verkürzt werden.

In dem Gebäude in Bad Antogast, in dem sich in den 1950er Jahren das Flüchtlingslager befand – ein mondänes Kurhaus aus der Zeit der Jahrhundertwende – befindet sich heute übrigens ein internationales Zentrum für Yoga und Ayurveda.

Die Abbildungen – Auszüge aus den Bad Antogaster Unterlagen – zeigen grundlegende Probleme der Flüchtlingsthematik von damals auf. Diese sind heute aktueller denn je.

 

Frisch restauriert

Anna Eifler schrieb am 12. Okt. 2016

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Neue Regale, Planschränke und Arbeitsflächen

Hin und wieder muss sogar eine Restaurierungswerkstatt restauriert werden: Nachdem viele Wochen mit vereinten Kräften überlegt und geplant wurde, konnte die frisch renovierte Restaurierungswerkstatt des Landeskirchlichen Archivs kürzlich mit neuen Möbeln bestückt werden. Im Gegensatz zu der Restaurierung von Büchern oder Archivalien, wurde bei diesen „restauratorischen“ Maßnahmen auf die Erhaltung von Originalsubstanz fast komplett verzichtet und das alte Mobiliar gegen eine neue zweckmäßige Einrichtung getauscht, die an die räumlichen Gegebenheiten und individuellen Ansprüche optimal angepasst ist. Durch die vielen Ablageflächen und den großzügigen Stauraum werden viele Arbeitsabläufe zukünftig erleichtert und beschleunigt. Dank der zwei großen fahrbaren Tische steht zudem der Bearbeitung von großformatigen Archivalien wie Karten oder Plänen ab sofort nichts mehr in Weg.

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Die Schneidemaschine ist schon lange im Dienst, der Stapeltrockner aber ein Teil der Neueinrichtung

Pfarrarchiv Knielingen erschlossen

Hartfried Depner schrieb am 6. Sept. 2016

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Entlassschein eines wegen Bürgerverletzung verurteilten Strafgefangenen (1894) [LkA KA, 044. Knielingen, Nr. 307]
Im Sommer 2016 wurde das Pfarrarchiv der Evangelischen Kirchengemeinde Knielingen gesichtet und bearbeitet. Der archivierte Bestand umfasst 316 Verzeichnungseinheiten mit einem Umfang von 4,5 laufenden Regalmetern.

Er beinhaltet Vorgänge aus dem kirchlichen und weltlichen Leben der Gemeinde beginnend mit dem Jahre 1738 und enthält u. a.  Informationen  über den Neubau der Kirche, Fronfuhren zur Erbauung derselben, über das Schulwesen im 18. und 19. Jahrhundert sowie über das sittliche Leben, ersichtlich aus den so genannten Kirchenzensurprotokollen.

Historische Quellen berichten über Namensänderungen der Ortschaft bis hin zu Knielingen im Jahre 1568, über historische Funde in Knielingen oder der näheren Umgebung, die in „Kunstdenkmäler Badens“ von Emil Lacroix, Peter Hirschfeld und Wilhelm Paeseler dokumentiert sind.

Den Aufzeichnungen des Pfarrers und Dekans Friedrich Kobe (1877-1959) entnehmen wir Berichte über das Kriegsgeschehen im 2. Weltkrieg in Bezug auf das kirchliche Leben und die kirchlichen Gebäude sowie das Brauchtum der Gemeinde. In „Die letzte Glocke von Knielingen“ beschreibt Dekan Kobe die Ereignisse von Advent 1944 bis zum Buß-und Bettag 1945.

Desgleichen erfahren wir einiges über die „Knielinger pieta“ (Knielinger Madonna), eine oberrheinische Straßburger Skulptur um 1500, heute zu sehen im Badischen Landesmuseum.

Der erschlossene Bestand befindet sich im Pfarramt der Pfarrgemeinde Knielingen.
 

Imagefilm über den Verband kirchlicher Archive

Seit dem 30. Aug. 2016 ist auf Youtube ...
... ein Trickfilm über den Verband kirchlicher Archive in der Arbeitsgemeinschaft Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche (AABevK) veröffentlicht. Dieser Videoclip entstand von Mai bis August diesen Jahres in Zusammenarbeit mit der Trickfimklasse der Kunsthochschule Kassel. Der Vorschlag zur Erstellung eines Imagefilms über den Verband kirchlicher Archive entstand im November 2015 in einer Vorstandssitzung in Nürnberg, die eine Arbeitsgruppe beauftragte. Angesichts der Anzahl von 65 evangelischen Archiven wurde ein Konzept für einen Trickfilm erarbeitet, der es erlauben soll, diese Vielfalt abstrakter abzubilden und auf diese mannigfaltige Archivwelt aufmerksam zu machen. "Sind Sie bereit für eine Reise in die Vergangenheit?"
 

In den Kirchenbüchern entdeckt ...

Heinrich Löber schrieb am 5.07.2016
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Eintrag im Beerdigungsbuch Zell i. W. 1886-1948 über den Gedächtnisgottesdienst für die siebenköpfige Pfarrersfamilie Specht, die am 4. Dezember 1943 bei dem schweren Angriff auf Leipzig ums Leben kam
 

Ein Eintrag hebt sich in dem Beerdigungsbuch Zell im Wiesental 1886 – Jan. 1948 von den anderen ab: Es handelt sich hierbei um die sieben Mitglieder der Pfarrersfamilie Hugo Specht, für die am 19. Dezember 1943 um 14 Uhr in der Evangelischen Kirche Zell ein Gedächtnisgottesdienst abgehalten wurde.

Wer war die Familie Specht? Hugo Specht wurde am 6. Oktober 1893 in Zell i. W. als Sohn des langjährigen Zeller Pfarrers und späteren Schopfheimer Dekans Hermann Specht (1862-1949) und seiner Frau Hanna geb. Ullmann geboren. Nach dem Theologiestudium in Heidelberg, Kiel und Marburg und seinem Dienst als Kriegsfreiwilliger im I. Weltkrieg wurde er am 5. Oktober 1919 durch seinen Vater in Zell ordiniert. 1919 erfolgt die Rezeption, bevor er seinen Dienst als Vikar an der Ludwigspfarrei Freiburg antrat. In Freiburg lernte er seine Frau, Hanna Auguste Mayer, kennen, die er am 5. Dezember 1922 ehelichte. 1924 wurde Specht ebenda Pfarrverwalter und im Jahre 1929 trat er als Pfarrer der Unteren Pfarrei Schopfheim seinen Dienst an. Acht Jahre später, 1937, schied Hugo Specht aus der Badischen Landeskirche aus und wurde Pfarrer an der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Leipzig. Eine schicksalshafte Entscheidung, denn bei dem schweren Bombenangriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943 kam er mit seiner gesamten Familie und der Gemeindehelferin Hippe ums Leben.

Diese Nachricht erschütterte auch die Gemeinde, die sich mit der Familie Specht sehr verbunden fühlte und wo man reichlich zwei Wochen später einen Gedächtnisgottesdienst abhielt. Ihn hielt der Dekan Kirchenrat Karl Müller (1880-1953) zusammen mit dem Zeller Pfarrer Karl Pöritz (1902-1975). Als Predigttexte dienten Joh. 10,12 und Ps. 73, 25 f. Dem Eintrag entnimmt man, dass alle fünf Kinder als Schüler starben.
 

Neuer Bestand erschlossen: Landeskonvent Baden der zerstreuten evangelischen Ostkirchen

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 20.06.2016:

Seit Neuestem steht allen Interessierten ein frisch erschlossener Bestand im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs zur Verfügung: Der Bestand 112. Landeskonvent Baden der zerstreuten evangelischen Ostkirchen.

Dabei handelt es sich um einen kleinen, aber feinen Bestand: 43 Verzeichnungseinheiten in vier Archivboxen. Inhaltlich finden sich darin Unterlagen zum Landeskonvent Baden, der 1968 in Mannheim in Anlehnung an den großen Konvent der ehemaligen evangelischen Ostkirchen e.V. mit Sitz in Hannover gegründet wurde. Das Findbuch ist als PDF auf unserer Website einsehbar: http://www.ekiba.de/html/content/bestaende486.html

Der Landeskonvent Baden hat sich der Bewahrung und Weitergabe des kirchlichen Erbes der jeweiligen Heimatkirchen verschrieben. Diese Kirchen waren ursprünglich in Landstrichen wie Pommern, Ost- und Westpreußen, Schlesien beheimatet. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten sich die Vertriebenen ein neues Leben und Gemeindeleben in der Bundesrepublik auf. So auch in Baden.

Der Landeskonvent Baden besteht noch immer und nimmt die gemeinsamen Interessen der verschiedenen Ostkirchen innerhalb Badens wahr. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Seelsorge an Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern und die Unterstützung von zurückgebliebenen evangelischen Minderheiten. Auch Öffentlichkeitsarbeit gehört zu den zentralen Aufgaben, etwa durch öffentliche Tagungen, was sich auch im Archivbestand widerspiegelt.

Der Bestand lädt ein, sich aus der kirchlichen Perspektive heraus mit dem Verlust von Heimat, mit Flucht und Vertreibung und den Ursachen dafür zu beschäftigen. Ein Thema, das gerade heute wieder brandaktuell ist.
 

Ganz frisch erschlossen: Das Pfarrarchiv Hoffenheim!

Dr. Tabea Mußgnug schrieb am 31.05.2016:
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Feldpostbriefe von Kriegsteilnehmern des Deutsch-französischen Krieges an das Pfarramt Hoffenheim  [LkA KA, 044. Hoffenheim, Nr. 353]
Mit einem Umfang von 357 Verzeichnungseinheiten ein mittelgroßes Archiv, in dem sich die Ortsgeschichte von 1652 bis 2000 spiegelt. Besonderes Highlight war eine Kladde voller Feldpostbriefe, und zwar nicht aus den Weltkriegen, sondern aus dem Deutsch-französischen Krieg 1870/71! Der damalige Hoffenheimer Pfarrer hatte gemeinsam mit dem Frauenkreis und dem Jünglingsverein für die Soldaten aus dem Ort gesammelt und jedem ein Päckchen mit Selbstgestricktem und Geld geschickt. Darauf trudelten viele Dankesschreiben von der Front ein. Zwischen den Zeilen erfährt man dabei auch von der Sorge um die daheim Zurückgelassenen, von den Ängsten der Soldaten, von Verwundeten und den lobenswert eifrigen französischen Lazarettschwestern, die sich auch um die verletzten Deutschen kümmerten. Ein interessantes Stück Zeitgeschichte!
 

KR Dr. Udo Wennemuth zum Vorsitzenden des Verbandes kirchlicher Archive gewählt

Heinrich Löber schrieb am 30.05.2016:
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
KR Dr. Udo Wennemuth
Auf der 11. Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche, die vom 9 bis 11. Mai 2016 in Wittenberg tagte, wurde die Vorsitzende Frau Dr. Bettina Wischhöfer (Landeskirchliches Archiv Kassel) durch KR Dr. Udo Wennemuth als neuen Vorsitzenden des Verbandes kirchlicher Archive (https://vkaekd.wordpress.com) abgelöst. Dr. Wennemuth ist der Leiter der Abteilung Archiv, Bibliothek und Registratur im Evangelischen Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche in Baden.
Im Verband kirchlicher Archive sind derzeit 62 evangelische Archive vereinigt, darunter neben landeskirchlichen Archiven auch Diakonie- und Missionsarchive und andere evangelische Archive. Der Verband nimmt Aufgaben wahr, die einzelne Archive allein nicht leisten können wie Grundsatzfragen des Archivrechts, der Archivtechnik und Bestandserhaltung. Zugleich dient der Verband dem Erfahrungs- und Wissensaustausch, der durch regionale, jährlich stattfindende Arbeitstagungen wahrgenommen wird und mit dem Jahrbuch 'Aus evangelischen Archiven' eine gemeinsame Zeitschrift unterhält.

Dr. Bettina Wischhöfer wiederum wurde in Wittenberg zur neuen Vorsitzenden der AABevK gewählt und tritt damit die Nachfolge des bisherigen Vorsitzenden Dr. Michael Häusler (Archiv für Diakonie und Entwicklung Berlin) an. Erstmals in der 80jährigen Geschichte der Arbeitsgemeinschaft steht somit eine Frau an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft.

Etwas zum Schmunzeln aus dem Archiv der Kirchengemeinde Bruchsal

Mareike Ritter schrieb am 12.05.16:

Die Bearbeitung von Pfarr- und Kirchengemeindearchive ist immer abwechslungsreich und keineswegs eintönig und langweilig. Etwas zum Schmunzeln fand die Bearbeiterin im Archiv der Kirchengemeinde Bruchsal. Hier tauchten in den Bauakten Zahlungserinnerungen der „Herforder Elektricitäts-Werke“ in Gedichtform auf.

Am 9. Mai 1957 erhielt das Pfarramt folgende Zahlungserinnerung:

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe

Eine weitere Zahlungserinnerung folgte am 7. Juni 1957:

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe

Die Archive der Luthergemeinden Bruchsal Nord und Süd sowie das Archiv der Kirchengemeinde Bruchsal werden momentan bearbeitet. Bisher gab es nur ein Pfarrarchiv für Bruchsal Nord sowie ein gemeinsames Archiv für Bruchsal Süd und die Kirchengemeinde. Im Pfarrarchiv Nord fanden sich neben eigenen Akten auch Akten des Dekanats Karlsruhe-Land (Pfarrstelleninhaber war auch Dekan) sowie der Kirchengemeinde. Hier konnte durch die Bearbeitung der Bestand stark verkleinert werden. Sehr viel aufwändiger ist die Bearbeitung des Archivs der Kirchengemeinde, da hier keine Unterscheidung zwischen Luthergemeinde Süd und Kirchengemeinde gemacht wurde. Der gesamte Bestand muss daher gesichtet und Akten meist auseinander genommen werden. Zur Kirchengemeinde Bruchsal gehören momentan neben der Luthergemeinde (Bruchsal Nord und Süd fusionierten im Jahr 2004), die Paul-Gehrhardt-Gemeinde Bruchsal sowie die Christusgemeinden Unter- und Obergrombach. Zeitweise waren auch die Evangelischen in Karlsdorf, Forst und Ubstadt der Kirchengemeinde zugeordnet.

Das Archiv der Kirchengemeinde umfasste bisher ca. 10 lfdm. Daneben gibt es noch die Registraturakten der Kirchen- und der Pfarrgemeinde mit einem Umfang von ca. 60 Ordner, die im Zuge der Archivbearbeitung auch durchgesehen werden.

Adieu Badische Oberrandheftung!

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 15.03.16
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe

Seit 01.01.2016 wird die Badische Oberrandheftung im Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe nicht mehr verwendet. Stattdessen befindet sich seitdem die Standard-Zweifachlochung zum Zusammenhalten der Akten in Gebrauch.

Diese Meldung klingt zunächst eher unspektakulär, sofern sie überhaupt Aufmerksamkeit erregt. Betrachtet man jedoch die historischen Hintergründe, wird deutlich, was für einen Einschnitt der Abschied von der Badischen Oberrandheftung tatsächlich bedeutet.

Die Badische Oberrandheftung bezeichnet eine Art und Weise, Akten zu binden. Alle Blätter der Akte werden am linken oberen Rand im Abstand von ca. 4 cm zweifach gelocht und zwischen zwei stabilen Aktendeckeln mit Hilfe eines sogenannten Aktenstechers, eines Metallspießes, auf einer Schnur aufgefädelt. Auf der Rückseite des so entstandenen Bündels wird die Schnur durch einen speziellen Knoten, den Badischen Knoten gesichert. Zum Bearbeiten oder Erweitern der Akte wird dieser Knoten gelöst, zum Blättern in der Akte verhindert man durch Knüpfen eines Leseknotens (einer einfachen Schlaufe), dass Seiten herausrutschen.

Dieses Verfahren Akten zu bilden ist einfach, praktisch, mit geringen Materialkosten verbunden und einzigartig in Baden! Dort ist es nachweislich seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Gebrauch. Der Geheime Rat Nikolaus Brauer beschreibt das Verfahren in einer Archivordnung von 1801, die er im Auftrag von Markgraf Carl Friedrich zu Baden und Hochberg erarbeitete. Vermutlich wurde diese Art der Aktenheftung aber bereits vorher in der Verwaltung der Badischen Markgrafschaft verwendet.

Seit dem 14. Jahrhundert fand Papier immer weitere Verbreitung in den Verwaltungsapparaten der verschiedenen Herrschaften. Und dieses Papier musste in irgendeiner Form geordnet und gelagert werden, um bei Bedarf darauf zurückgreifen zu können. Die gängige Praxis, Dokumente des Verwaltungshandelns stapelweise in Regalen oder Schränken zu lagern, brachte einen entscheidenden Nachteil mit sich: Eine lose Blattsammlung gerät leicht durcheinander. Einzelne Blätter können entnommen werden, die innere Ordnung der Dokumente kann verloren gehen. In Preußen löste man dieses Problem, indem man die Akten zusammennähte. Die Badener dagegen entwickelten die beschriebene Variante. Diese hatte auch den Vorteil, dass das Papier geschont und jedes Dokument vollständig und bequem lesbar blieb.

Die Badische Aktenheftung hat sich zum Teil bis heute gehalten, etwa bei den Staatsanwaltschaften und Gerichten im Bezirk des Oberlandesgerichts Karlsruhe oder eben in Registratur und Archiv des Evangelischen Oberkirchenrats.

Warum heißt es jetzt also Abschied nehmen von der altbewährten Heftung? Und gibt es in Zeiten, in denen der Großteil der Kommunikation elektronisch geführt wird, überhaupt noch Papier, das vor dem Durcheinander bewahrt werden müsste?

Die Digital Natives werden verwundert den Kopf schütteln, aber es ist tatsächlich so: Noch immer dominiert in der täglichen Verwaltungsarbeit auf dem Gebiet der Badischen Landeskirche das Papier. Um die Transparenz und Nachvollziehbarkeit des Verwaltungshandelns zu dokumentieren, ist nach wie vor die Papierakte ausschlaggebend. Und das bedeutet, dass die Ordnung derselben immer noch Thema ist.

In der Handhabung hat sich die Badische Art zu Lochen und zu Fädeln inzwischen als doch recht umständlich und nicht mehr zeitgemäß erwiesen. Und so ist die Entscheidung getroffen worden: Akten werden künftig standard-gelocht.

Die Traditionalisten und Romantiker unter den Lesern möchte ich an dieser Stelle beruhigen: Im Archiv der Badischen Landeskirche bleibt die Badische Oberrandheftung selbstverständlich erhalten. In den Magazinen des Archivs lagern knapp 3000 laufende Meter Archivgut, der Großteil davon Akten, die in der beschriebenen Weise geheftet sind und dies auch bleiben werden.

Zum Weiterlesen:

Reform des badischen Archivwesens zwischen 1771 und 1803:

http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/53276/A%2020_John.pdf

Pfarrarchiv Sinsheim erschlossen

Tabea Mußgnug schrieb am 09.03.16:

In den letzten Monaten wurde das Pfarrarchiv Sinsheim erschlossen, das mit 6,8 lfd Metern und 453 Verzeichnungseinheiten beachtliche Ausmaße besitzt. Doch nicht nur der Umfang, auch das Alter der Akten ist bemerkenswert – immerhin stammt die älteste Akte aus dem Jahr 1692! In den alten Akten erfährt man von dem schweren Leben der einfachen Sinsheimer Familien, die von ihrer mühsam eingebrachten Ernte immer wieder den Zehnten abgeben mussten – und nicht nur in Form von Getreide, Gemüse, Obst und Fleisch: Es gab auch exotischere Zehntregelungen, wie den Tabak-Zehnten und den Mohn-Zehnten. Einen Teil davon bekam der Pfarrer als Besoldung; inklusive Holz für den Winter. Zum Glück sind die Zeiten, in denen der Pfarrer von seinen Schäfchen mit Naturalien bezahlt werden musste, inzwischen vorbei!

Unterlagen von Pfarrer und Dekan Friedrich Bossert (1885-1963) aus dem II. Weltkrieg

Heinrich Löber schrieb am 11.02.16:
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Feldpostkorrespondenz Pfarrer Bossert mit seinen drei Söhnen [LkA KA, 150.107, unverz.]

Ergreifende Zeugnisse aus der Zeit des II. Weltkrieges wurden dem Landeskirchlichen Archiv Karlsruhe aus dem Nachlass des Neckargemünder Pfarrers und Dekans Friedrich Bossert (1885 – 1963)  abgegeben.

Es handelt sich dabei um die Feldpostkorrespondenz als Adressat und Absender [größtenteils masch.] mit seinen drei Söhnen Daniel, Friedrich (Fritz), Hellmut (alle 1942/43 im Osten gefallen) sowie Gefallenenanzeigen, Todesnachrichten, Zeitungsannoncen, Unterlagen zu den Trauergottesdiensten und Wehrpässe.

Diese 0,2 lfde. Meter sind bislang unverzeichnet, aber dennoch einseh- und überblickbar, weil diese Unterlagen chronologisch und nach Söhnen sortiert übergeben wurde. Insgesamt ergibt sich dem Leser ein erdrückendes Bild jener Jahre und einer vom Schicksal heimgesuchten Amtsperson unserer Landeskirche.

Die Unterlagen sind als ‚Nachlass Bossert, Friedrich‘ (Sign.: 150.107) in die Bestände des Landeskirchlichen Archivs aufgenommen und - nach vorheriger Anmeldung - für eine Einsicht im Lesesaal offen. Eine Bestandsbeschreibung findet man in der Zentralen Nachlassdatenbank (www.nachlassdatenbank.de).

Archiv der Gemeinde Mannheim-Trinitatis erschlossen

Johanna Schauer-Henrich schrieb am 18.12.15:
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Trinitatiskirche um 1800.
Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
Trinitatiskirche in den 1960er Jahren.

Ab sofort steht allen interessierten NutzerInnen das Archiv der Gemeinde Mannheim Trinitatis im Lesesaal des Landeskirchlichen Archivs Karlsruhe zur Verfügung. Das Archiv wurde 2009 von der Gemeinde im Zuge einer Umstrukturierung nach Karlsruhe abgegeben und konnte nun endlich geordnet und verzeichnet werden. Der Bestand hat eine Laufzeit von 1854 bis 2009. Er umfasst 225 Verzeichnungseinheiten in 21 Boxen (insg. 2,1 lfd. Meter).

Übrigens: Die alte Trinitatiskirche wurde als lutherische Kirche von 1706 bis 1709 in der Mannheimer Innenstadt gebaut. Vorher teilten die Mannheimer Lutheraner sich ein Gotteshaus mit den Reformierten. Über 200 Jahre prägte die Trinitatiskirche das Stadtbild Mannheims. Im September 1943 wurde sie in einem Bombenangriff zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst eine hölzerne Notkirche errichtet. 1956 war es schließlich soweit: Am 30. September fand die Grundsteinlegung für den Neubau statt. Das Gebäude wurde nach Plänen von Helmut Striffler errichtet und 1959 eingeweiht. Es besteht aus Beton, Eisen und Glas und ruft bis heute sehr unterschiedliche Reaktionen beim Betrachter hervor, von großer Begeisterung bis entschiedener Ablehnung. Seinerzeit war es auf jeden Fall hochmodern. Weltweit entstanden ähnliche Bauten. Heute wird die Kirche aus Kostengründen nicht mehr von der Gemeinde genutzt und verwaltet. Aufgrund der architektonischen Bedeutung kommt ein Abriss aber nicht in Frage. Das Gebäude befindet sich immer noch im Besitz der Evangelischen Landeskirche in Baden. Zurzeit werden Ideen gesammelt, um den Kirchenbau wieder einer angemessenen Nutzung zuzuführen. Bau und Einweihung der neuen Trinitatiskirche sind im Bestand des Gemeindearchivs umfassend dokumentiert.

 

 

Das Pfarrarchiv Wössingen ist erschlossen!

Dr. Tabea Mußgnug schrieb am 15.12.15

Im November wurde das Pfarrarchiv Wössingen erschlossen. Was da nicht alles auftauchte: Schicksale aus der Zeit der Weltkriege, das harte Leben auf dem Lande zu Urgroßmutters Zeiten, Einblicke in die Arbeit der Dorfschwestern und die Anfänge der Kindergartenarbeit, lustige Begebenheiten aus dem Dorfleben und Konfirmandenanekdoten aus der Jahrhundertwende, als Dorfjungen, die unerlaubt Orgel spielten, noch zur Strafe den Katechismus auswendiglernen mussten. Wenn man ein Pfarrgemeindearchiv erschließt, lernt man ein Dorf kennen und fängt an, die Straßen vor sich zu sehen, wie sie vor hundert Jahren vielleicht ausgesehen haben. In Wössingen gab es viel zu erschließen - insgesamt wurden es 56 Archivboxen mit einer Laufzeit von 1699 bis 2001.

Pfarramtssekretärinnen zu Besuch im Archiv

Mareike Ritter schrieb am 18.11.15:

Am 10.11.2015 nahmen 15 Pfarramtssekretärinnen, 2 Bufdis und Dekan Hans Scheffel aus dem Kirchenbezirk Kraichgau an einer Führung durch das Archiv teil. Die BesucherInnen erhielten Einblick in die Arbeit der Archivare und der Restauratorin, sahen den Unterschied zwischen einem alten und einem neuen Magazin und bestaunten unter anderem die Siegelsammlung. Von Interesse war auch die Unterbringung der Kirchenbücher, die die Pfarrgemeinden als Depositum dem Landeskirchlichen Archiv übergeben können.

Quelle: Ilse Keller

Interessiert verfolgten die BesucherInnen den Ausführungen von Frau Ritter zum Konzept der passiven Klimatisierung des neuen Magazins.

In den Quellen entdeckt....

Heinrich Löber schrieb am 11.11.15:

In dem Taufbuch Leutesheim 1736 – 1797 findet man ein Gedicht von Hans Georg Zier, welches er seiner Patentochter, Anna Catarina Hummelin, zu ihrer Taufe am 25. Februar 1788 geschrieben hat, und das an den Eintrag geheftet wurde. Es spiegelt die Frömmigkeit jener Zeit wider und äußert den innigen Wunsch des Paten für ein gottgefälliges Leben seines Patenkindes:

Quelle: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe
 
 
 
"Du bist O Liebes Kindt
Auf Christi Todt getauft
der dich mit seinem Blut
hat von der Höll Erkauft.
des zur Erinnerung und stedem
angedenken
Hab ich nach deiner Tauf
dir dieses wollen schenken.
Wachs auf zur Gottes Ehr
und deiner Eltern Freud
zu deines Nächsten Nütz
und deiner Seeligkeit
Das wann hier mit Gott
gelitten hast auf Erden
du endlich auch mit ihm
Gekrönnest mögest werden
Getauft zu Leutesheim
zu der Evangelischen Kirch
den 25 Hornung
im jahr 1788
und hast den
Nahmen bekomen
Ana Catarina Humelin
Solches wünscht
dein getreuer Geffätter [Gevatter]
Hanß Georg Zier"
 

Im Kirchenbuchportal ist unsere Landeskirche stark vertreten!

Heinrich Löber schrieb am 30.10.2015:

Seit einem knappen Dreivierteljahr ist das Kirchenbuchportal www.archion.de im Livebetrieb. Dort kann sich jeder Interessierte registieren und gegen Gebühr Einsicht in die Bücher nehmen. Vor einer Anmeldung sollte man natürlich prüfen, ob die in Frage kommende Landeskirche beteiligt ist und die gesuchten Kirchenbücher einer Gemeinde bereits einsehbar sind.

Quelle: Landeskirchliches Archin Karlsruhe
Suchfunktion im Kirchenbuchportal mit Anzeige der beteiligten Landeskirchen und ihrer Archive sowie der online gestellten Kirchenbücher einzelner Gemeinden.

Die Evangelische Kirche in Baden ist von Anbeginn an diesem großen Projekt beteiligt gewesen und leistet mit hohem Aufwand seit etlichen Jahren hierfür die nötigen Vorarbeiten. Mit knapp Zweidritteln ihrer Kirchenbücher ist sie im Portal überdurchschnittlich gut vertreten. Vor allem die Kirchenbücher der nord- und mittelbadischen Gemeinden sind online einsehbar. Es handelt sich dabei um die Kirchenbücher der Filmnummern 1 bis 806. Einen Überblick über die Gesamtüberlieferung kann man sich über das Findmittel zu den verfilmten Kirchenbüchern unserer Landeskirche verschaffen, welches wir als PDF-Dokument auf unsere Website gestellt haben: http://www.ekiba.de/html/content/familienforschung808.html.

In Zahlen ausgedrückt: 4539 Kirchenbücher (bis zum Jahre 1870 und teilw. auch darüber hinaus) sind nun an das Portal geliefert. Bei 74 Kirchenbüchern dieses Bestandes müssen noch Korrekturen vorgenommen werden, bevor auch sie an die Kirchenbuchportal GmbH geliefert werden können. Weitere knapp 1000 Kirchenbücher (der Filmnummern 806 bis ca. 950) werden in den nächsten Wochen folgen, bevor die restlichen 1900 Kirchenbücher auf eine Prüfung für eine Veröffentlichung warten.

Insgesamt wird mit einem Abschluß der Onlineveröffentlichung der badischen Kirchenbücher Ende des Jahres 2016 gerechnet.

Ist ein Besuch in unserem Archiv noch anzuraten? JA, denn im Vergleich zu einer Recherche am häuslichen PC bietet unser Archiv die für genealogische Forschungen wichtigen Sekundärquellen (436 badische Familienbücher), einschlägige Sekundärliteratur (ca. 300 badische evangelische Ortssippenbücher) und einen Teil der Originalkirchenbücher. Außerdem erfahren die Benutzerinnen und Benutzer im Lesesaal mannigfaltige Unterstützung, so dass ein Besuch unseres Archivs weiterhin in Betracht zu ziehen ist.

Für Fragen rund um das Kirchenbuchportal sowie genealogische Recherchemöglichkeiten in unserem Archiv stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung (Telefon: 0721/9175 795, Email: archiv[at]ekiba[dot]de).
 
 
Heinrich Löber, M.A., Dipl-Theol. - Bereichsleiter Landeskirchliches Archiv
 
Adresse und Öffnungszeiten

Blumenstraße 1-7
76133 Karlsruhe
 
Telefon: 0721/9175-795
Telefax: 0721/9175-550
 
 
Öffnungszeiten Lesesaal:
Dienstag bis Donnerstag 9:00 bis 16:00 Uhr
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Auf sieben Plakaten, die zahlreiche Abbildungen und Hintergrundinformationen
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